#87 Stehen bleiben, bevor du auswanderst - Dr. Benjamin Tscheuschner über Wandel
Shownotes
Dr. Benjamin Tscheuschner ist Allgemeinmediziner, Psychotherapeut und Praxisinhaber in Althütte. Statt 6 Patienten pro Stunde (deutscher Schnitt) behandelt er 4. Er hat Ärzte eingestellt, arbeitet ab 10 Uhr, macht Podcasts und schreibt ein Buch. Sein Motto: "Ich öffne Räume für Bewusstsein, Menschlichkeit und Begegnung."
Im Gespräch mit Martin teilt er, warum Veränderung kein Sprint ist - sondern ein Marathon. Und warum Auswandern nicht immer die Lösung ist.
In dieser Folge erfährst du:
- Warum er sich für eine eigene Praxis entschieden hat (und es nicht bereut)
- Was er anders macht als andere Hausärzte (und was es gekostet hat)
- Die 3 Schritte zu echter Veränderung (bevor du ans Auswandern denkst)
- Warum "Flucht" der falsche Grund ist, um auszuwandern
- Seine wichtigsten Tipps für Ärzte, die überlegen: Schweiz oder nicht?
Die 3 Schritte zu Veränderung:
1. Stehen bleiben - Raum zwischen Reiz und Reaktion schaffen "Einfach mal entschleunigt durch den Alltag gehen. Nach einem Patientengespräch eine Minute durchatmen und fragen: Wie hat das auf mich gewirkt? Was hat das mit mir gemacht? Wie wohl habe ich mich als Arzt dabei gefühlt?"
Der erste Schritt ist NICHT Nein sagen. Sondern wahrnehmen, was gerade passiert.
2. Nein sagen - Pausen schaffen "Ich bin nicht der Typ, der 30 Sprechstunden in der Woche machen kann. Ich habe sehr feine Antennen. Das strengt mich an. Ich brauche weniger Patienten. Das ist meine persönliche Struktur."
Erst wenn du weißt, was dich anstrengt, kannst du Nein sagen - und Raum schaffen.
3. Veränderung angehen - aber als Marathon, nicht als Sprint "Wenn man Veränderung möchte und dabei glücklich werden möchte, dann ist es kein 100-Meter-Sprint. Es ist Schritt für Schritt. Das Ankommen an dem Punkt, wo man sich wohlfühlt, ist es wert - aber es ist kein Sprint."
Veränderung braucht Zeit. Auch bei ihm: Phasen, wo er nicht wusste, wie er Gehälter zahlt. Phasen der Kritik. Aber heute: Ärzte eingestellt, weniger Stunden, mehr Erfüllung.
Seine Erfahrungen in der Praxis:
- Anfang: 70-80 Stunden/Woche gearbeitet
- Fehler gemacht: fast keine Gehälter zahlen können, finanzielle Risiken
- Heute: 4 Patienten/Stunde statt 6, zwei Ärzte eingestellt, ab 10 Uhr arbeiten
- "Es gab Phasen, wo ich auf dem Balkon stand und dachte: Was machst du hier eigentlich?"
Seine Tipps für Ärzte, die auswandern wollen:
- "Flucht ist der falsche Grund"
- "Wenn die Bedingungen hier scheiße sind und ich will einfach nur weg - da muss man sich die Frage stellen: Macht es Sinn? Denn häufig nehmen wir uns selber mit. Wir selber sind kein geringer Faktor."
Die entscheidenden Fragen:
- Bin ich jemand, der gerne in den Bergen lebt?
- Mag ich die Kultur der Schweizer?
- Fühle ich mich im Urlaub dort wohl?
- Pass ich als Person stimmig in dieses Umfeld?
"Menschen am Sterbebett sagen nicht: Ich hätte gerne mehr Geld verdient. Sie fragen: Wie viel Zeit habe ich mit Freunden verbracht? Mit meiner Familie? In welchem Umfeld habe ich gelebt?"
Die Geldfrage ist sekundär: "Wenn ich mich an dem richtigen Platz fühle, interessiert es mich nicht, ob ich 40 oder 50 Stunden arbeite. Weil ich das Gefühl habe: Ich bin da am richtigen Platz und mir macht das Spaß."
Sein wichtigstes Zitat: "Der erste Schritt ist, Veränderung zu wollen. Aber nicht zu sagen: Ich reiß das Ruder komplett rum. Sondern: Ich nehme wahr, was gerade passiert. Ich schaffe Raum. Und dann - Schritt für Schritt - finde ich meinen Weg."
Was er über Personal sagt: "Am Anfang habe ich nach Qualifikationen ausgesucht. Davon bin ich weggekommen. Ich suche nach Persönlichkeit. Qualifikation kann man lernen. Aber wenn jemand nicht von der Persönlichkeit passt, bringen alle Qualifikationen nichts."
Mehr Klarheit für deine Auswanderung gibt es mit Martins kostenlosem Auswander-Leitfaden bei der Newsletter-Anmeldung auf docsgoswiss.ch
Transkript anzeigen
00:00:08: Ich begrüße dich zu einer neuen Podcastfolge von DocsGoSwiss.
00:00:12: Alles zum Leben und Arbeiten in der Schweiz für dich als Arzt oder Ärztin.
00:00:17: Auf dem Weg in die Schweiz oder wenn du schon in der Schweiz bist.
00:00:21: Ich bin der Host des Podcasts Martin Werner.
00:00:24: und ja, warum heute diese Podcastfolge holen?
00:00:28: Warum ist die gerade für dich als Arzt, Ärztin relevant?
00:00:34: Zum einen, heute spricht ein der Allgemeinmedizin, der sich entschieden hatte, den Weg einer eigenen Praxis zu gehen, also klar mal auf, nicht in die Schweiz zu gehen, aber dennoch sehr, sehr viel dazu beitragen kann.
00:00:48: Denn in seiner Praxis lebt er ja sein Leben und sein Konzept, wie er in deutschen Gesundheitswesen eine Struktur nutzt, aber für seine Vision und die Vision ist Medizin menschlicher zugestallt.
00:01:03: Das hat mich schon mal extrem angesprochen, Erfahrungen weiterzugeben, wie ich diese Menschlichkeit in die Medizin wieder reinbekomme.
00:01:12: Und er gibt seinen Wissen weiter als baldiger Podcaster, baldiger Buchautor, Mentor und Speaker.
00:01:21: Genau über diese Themen sind Krisen.
00:01:26: Wo ist mein Warum als Mediziner?
00:01:29: Wie kann ich in Strukturen, die nun mal gegeben sind, trotzdem mein eigenen Weg, beruflich und privat finden.
00:01:38: Und das gibt er, wie gesagt, über seine Medienformate, Social Media, eben auch an Kollegen und Kolleginnen weiter.
00:01:45: Sein Motto ist, ich öffne Räume für Bewusstsein, Menschlichkeit und Begegnung.
00:01:50: Und darüber möchte ich heute sprechen mit Dr.
00:01:52: Benjamin Tscheuwchner.
00:01:55: Willkommen, Ben, im Podcast DocsGoSwiss.
00:01:58: Vielen Dank.
00:01:59: Hallöchen.
00:02:01: Ich weiß, Ben, du hast noch viel mehr Facetten, aber... Wer jetzt zuhört, der darf sich gerne dann über dich noch informieren, mein Mensch mit vielen Hobbys und Interessen.
00:02:12: Ich habe mich direkt gefragt, als ich mich mit dir beschäftigt habe, als ich dich auf LinkedIn gesehen habe, eigene Praxis in Deutschland.
00:02:21: Ich habe es im Vorgespräch schon gesagt, wir nehmen so acht Uhr, drei sich früh auf.
00:02:27: Ben hat noch keine fünf Patienten oder zehn Patienten behandelt, macht ein Podcast hier mit mir, also in aller Ehre.
00:02:33: Aber warum eine eigene Praxis?
00:02:36: Wo ist für dich der Weg gestartet, nach diesem Sinn in der Medizin zu fragen?
00:02:43: Nimm mal den ersten.
00:02:44: Die erste Frage mal, warum eine eigene Praxis?
00:02:47: Ich habe in der Klinik gearbeitet, mehrere Jahre.
00:02:50: Das ist ja auch Usus und übliche im Rahmen der Ausbildung zum Facharzt und habe Eigentlich relativ viel Freude daran gehabt, habe damals eine Zeit auf Intensivstation verbracht, auf der Notaufnahme und dann auf den internistischen Stationen auch in verschiedenen Bereichen und habe dann aber Einblicke bekommen können, durch Bekannte in eine Praxis habe gemerkt, ich kann gestalten.
00:03:18: Das heißt, ich habe gesehen, dass ich die Möglichkeit in einer Praxis habe, zu gestalten, Dinge selber zu verändern.
00:03:26: vielleicht auch ein anderer Chef zu sein, als diejenigen, die Chef bei mir waren.
00:03:31: Also die Entscheidung in die eigene Praxis war hauptsächlich der Punkt, ich kann gestalten.
00:03:38: Also Dinge, die mir nicht passen oder die ich gerne anders machen würde oder wo ich gedacht habe, das geht doch besser oder so, habe ich gedacht, okay, das kann ich in meiner eigenen Praxis machen.
00:03:50: Ich bin freier und deswegen habe ich mich entschieden.
00:03:53: eine eigene Praxis zu übernehmen und diesen Aspekt zu bearbeiten, zu sagen, ich kann freigestalten, ich kann eine Praxis gestalten, eine Raum der Medizin gestalten, wo ich mich wohlfühle und auch das Gefühl habe, dass ich Patienten wohlfühlen.
00:04:08: Schließt sich natürlich gleich eine Frage an.
00:04:11: Es sind ja viele Kollegen in einer ähnlichen Situation.
00:04:14: Also du kommst aus dem Klinikbetrieb.
00:04:17: Du hast nicht nur gute Erfahrungen gemacht und dann kommst du endlich in die Situation, du bist Facharzt oder Fachärztin und dann gehen die Türen auf.
00:04:25: Es kostet ja aber auch unheimlich viel Energie und Respekt, so eine Praxis zu übernehmen.
00:04:30: Also viele sind ja an dem Punkt, möchte ich mir das noch antun, eigener Chef zu sein, selber zu gestalten.
00:04:37: Woher nimmst du für dich die Energie?
00:04:39: Also wie hast du für dich rausgefunden?
00:04:41: Du möchtest das auch.
00:04:43: Und wenn ich so sehe, Es gab hier auch Kritiker, die gesagt haben, das Konzept, was du da fährst, Zeit für den Menschen, das geht gar nicht in dem System.
00:04:53: Du musst einfach Taktung, allgemein Medizin, fünfzig bis hundert Patienten.
00:04:57: Also wo hast du für dich die Energie, die da gefunden, aus dem, ich sage mal, aus dem Klinikbetrieb kommen zu sagen, ich mache noch mal was Neues.
00:05:07: Du hättest ja auch einfach sagen können, ne, ich bleib so, wie es ist, es ist mir der Pilmer.
00:05:13: Ich glaube, der Hauptaspekt war tatsächlich, gestalten zu wollen.
00:05:17: Ja, ich glaube, es gibt unterschiedliche Typen.
00:05:19: Also ich habe eine Phase gehabt, wo ich vielen wärmstens empfohlen hab gesagt, macht Selbstständigkeit total cool, ihr könnt freigestalten.
00:05:27: Ich glaube, dass es einfach verschiedene Typen von Menschen gibt, Menschen, die gerne Selbstständigkeit mögen, frei zu sein, gestalten zu können, Verantwortung zu übernehmen.
00:05:37: Ich glaube, es gibt aber auch einfach Typ Menschen.
00:05:38: die fühlen sich sicherer in einem Rahmen von Verlässlichkeit.
00:05:43: Wenn man sich niederlässt, das ist Risiko, das ist finanzielles Risiko, das ist Personalrisiko.
00:05:48: Das sind Dinge, die man auch stückweit mit in den Abend oder ins Wochenende mitnimmt.
00:05:54: Also dieser Spruch selbst und ständig ist jetzt nicht ganz so falsch.
00:05:58: Man muss das wollen.
00:05:59: Und ich glaube, da bin ich einfach der Typ gewesen, der früh gemerkt hat, dann ... Ich möchte gestalten, ich möchte das Risiko auch in Kauf nehmen.
00:06:08: Ich möchte einfach einen Raum gestalten, wo ich mich nicht unbedingt die ganze Zeit anpassen muss, sondern im Rahmen der Gegebenheiten frei bauen und gestalten kann.
00:06:21: Das ist die Idee dahinter gewesen.
00:06:24: Jetzt begleitest du ja auch andere Kollegen und Kolleginnen und ich habe manchmal das Gefühl, wenn wir über Das Thema Auswandern mit Ärzten und Ärzten, weil wir in der Anamnese sprechen.
00:06:37: Auf der einen Seite hat man das Gefühl, ich bin so einem Hamsterer drin.
00:06:41: Es geht jeden Tag dasselbe.
00:06:42: Die Dienste sind gesetzt, die Nächte sind gesetzt etc.
00:06:46: Auf der anderen Seite spüre ich immer so einen Zögern, Wandel anzugehen.
00:06:53: Also so eine innere Plokate auch Dinge anzupacken.
00:06:58: Man spürt oft in den Gesprächen, da ist was in den Herzen drin von der Person, die will eigentlich in eine andere Richtung gehen, aber traut sich nicht so richtig.
00:07:07: Wie finde ich denn das für mich raus, in welche Richtung ich laufen möchte und ob ich mich da selber blockiere oder ob es wirklich Faktoren sind, die von außen kommen, Strukturen?
00:07:20: die ich nicht ändern kann, wo ich dann sage, okay, ich brauche auch andere Strukturen.
00:07:24: Wie gehe ich an das Thema ran?
00:07:25: Das ist ja nicht ganz so trivial, auch wenn man so einfach in einem Podcast drüber sprechen kann.
00:07:31: Ich glaube, ein ganz großer Faktor ist, dass also vor allem wir in Arztberufen häufig in der Stresssituation sind.
00:07:37: Wir sind in Abläufen, wo wir unheimlich viele Entscheidungen treffen müssen, schnelle Entscheidungen treffen müssen, Dienste haben und dann gerade in den ... Jahren, wo man frei entscheiden kann, ist dann gerne noch kleine Kinder oder Hausbau oder wie auch immer.
00:07:54: Das heißt, wir sind auf einem relativ hohen Stressniveau.
00:07:57: Das heißt, wir haben wenig Kompensationsmöglichkeiten.
00:08:01: Und wir wissen, außer Psychologie, wenn wir in Stresssituationen sind, dann wählen wir in der Regel den Weg, den wir kennen.
00:08:09: Das heißt, der erste Weg wäre erst einmal zu entschleunigen.
00:08:14: Das heißt, einen Raum zu schaffen.
00:08:17: in dem meine Gedanken frei werden können, sodass ich mir überlegen kann, wer bin ich eigentlich?
00:08:24: Was sind meine Stärken?
00:08:25: Wo fühle ich mich wohl?
00:08:27: Weil sonst kann es passieren, dass man in so eine Art Fluchtmodus kommt und sagt, hier ist doof, ich will einfach nur woanders hin.
00:08:35: Weiß aber gar nicht, ob das woanders für mich besser ist.
00:08:39: Gibt so Patienten, die sind bei mir in der Sprechstunde, die sagen, ja, ich will auf achtzig Prozent reduzieren, weil ich bin zu gestresst, dann wird das Leben besser.
00:08:47: Und häufig habe ich gemerkt, dass die Frage nicht der zwanzig Prozent sind oder der Reduktion sind, sondern das Nein sagen, das Abgrenzen ist.
00:08:55: Das heißt, ein neuer Job oder ein neuer Chef bedeutet nicht unbedingt, die Welt wird besser, sondern ich glaube, dass es häufig mit uns selber zu tun hat.
00:09:04: Und da ist, glaube ich, der erste Schritt tatsächlich zu entschleunigen, um so eine Lücke zu schaffen zwischen Reiz und Reaktionen zu schauen, okay.
00:09:13: Warum bin ich denn unzufrieden an dieser Arbeitstelle?
00:09:15: Hat das was mit dem Chef zu tun?
00:09:16: Hat das was mit Kollegen zu tun?
00:09:18: Ist es der Fachbereich, der mich stört?
00:09:21: Ist es einfach meine Handlungsfähigkeit, die eingeschränkt ist, möchte ich selber mehr gestalten.
00:09:26: Ist es auch schlichtweg, weil ich noch nie mit meinen Kollegen oder meinem Chef gesprochen habe, was ich bereuchte oder was mir wichtig wäre oder vielleicht auch kreativ anzugehen und zu sagen, okay, das sind die Rahmenbedingungen.
00:09:36: Ich habe mir Gedanken gemacht, könnte man den Dienstplan vielleicht so und so gestalten oder wie auch immer.
00:09:41: Natürlich gibt es in der Klinik mehr.
00:09:43: Rahmenbedingungen als im ambulanten Bereich, aber ich glaube, es ist nicht einfach immer so trivial zu sagen, okay, mir gefällt etwas nicht, ich wechsel etwas, sondern wird die Situation besser, weil häufig nehmen wir uns selber mit und wir selber sind kein geringer Faktor an der ganzen Geschichte, ja.
00:09:58: Und wenn wir dann über diese Stresskomponente sprechen, warum dann der Wechsel so schwer ist, also wenn man jetzt ein hohes Stressniveau hat, mal angenommen, hundert Prozent ist das Maximum, wir laufen die ganze Zeit bei sagen wir einen Wechsel würde nochmal zehn, fünfzehn Prozent bedeuten, weil ein Wechsel oder ein Wandel immer anstrengend ist, dann scheue ich mich natürlich zu sagen, ich gehe an diese Grenzwolle, diese Schwelle und sage, nee, dann bleibe ich lieber bei den fünf, neunzehn Prozent, weil durch dieses Tal möchte ich nicht gehen.
00:10:26: Ja.
00:10:28: Also deine klare Empfehlung bei sich selber anzufangen, können das auch so kleine Momente sein des Entschleunigens, wo ich erstmal mir überhaupt die Erlaubnis gebe?
00:10:41: zu entschleunigen.
00:10:43: Also wenn ich von außen draufschau, ich bin jetzt kein Mediziner, meine Frau ist Medizinerin, sehe ich sehr leistungsambitionierte Menschen.
00:10:52: Also du brauchst halt in der Regel den Numerus Clausus fürs Studium.
00:10:56: Im Studium wird hart selektiert, du wirst aufs Funktionieren, auf Leistungsfähigkeit, du hast selbst gesagt, aufs Funktionieren in Stressmomenten getrimmt.
00:11:07: Und das gibt dir natürlich im Gegenzug auch Adrenalin.
00:11:09: Das gibt dir deine Anerkennung.
00:11:11: So hast du das gelernt, so hat man sich oft konditioniert, oder?
00:11:15: Und jetzt kommen wir zwei daher und sagen, na ja, also jetzt entschleunige mal bitte.
00:11:20: Und übrigens, wenn du jetzt entschleunigst, wir können dir auch noch gar nicht sagen, was rauskommt, weil du musst erstmal entschleunigen, um überhaupt zu spüren, was in dir vielleicht schlummert.
00:11:29: Also so ehrlich muss man sein.
00:11:31: Entschleunigen bringt nicht am ersten Tag der Entschleunigung das Ergebnis.
00:11:36: Und wenn ich das anspreche in Mentoring-Session, dann höre ich immer gleich so, oh Gott, jetzt soll ich noch auf achtzig Prozent oder sechzig Prozent runtergehen.
00:11:44: Das geht ja finanziell nicht.
00:11:45: und dann kommen gleich die Argumente.
00:11:48: Würdest du empfehlen, dass man sich kleine Inseln erst mal schafft?
00:11:52: Also einfach mal sagt, wie du das angesprochen hast.
00:11:56: Am Tag einmal Nein sagen, wo man sonst aus Gewohnheit Ja sagt.
00:12:01: Gucken, wie sich das anfühlt.
00:12:03: Vielleicht auch zu Hause in privaten Mal sagen.
00:12:05: Nein, also es gehört ja Beruf und Privat auch zusammen, man muss ja beides händeln können und sich nicht gleich wieder in solche Extreme stürzt, wie jetzt mache ich mal ein Yasabetical, jetzt kaufe ich die nächste Praxis, die mir über den Weg läuft, dann wird alles super.
00:12:21: Also diesen psychologischen Schritt sich zu erlauben, Nein zu sagen, vielleicht mal die Mittagspause auch zu machen, die mir zusteht, mein Chef auch mal sich trauen zu fragen.
00:12:35: ohne dass man ständig in dieser Angst mitläuft, sich die Karriere zu zerstören.
00:12:39: Ich finde das bei Medizinern extrem.
00:12:42: Es ist also zumindest gefühlt.
00:12:44: das erste Argument, ich kann doch nicht auf Achtzig Prozent gehen, dann sagt mein Chef, meine Chefin, das geht nicht, dann muss ich dagegen klagen.
00:12:52: Aber hast du schon mal gefragt, also wie würdest du als Arzt das empfehlen?
00:12:56: oder wie hast du es vielleicht selber gemacht?
00:12:59: Aus diesem Hamsterrad erst mal langsam rauszukommen und sich die Erlaubnis zu geben.
00:13:05: Dinge mal auszuprobieren und zu spüren, um diese Entschleunigung, diese Momente der Ruhe zu finden.
00:13:13: Also, ich glaube, der erste Aspekt ist, wenn man Veränderung möchte und dabei selber glücklich werden möchte, dann ist es kein Hundert Meter Sprint.
00:13:21: Also, ehrlich muss man einfach sagen, das ist ein Marathon.
00:13:26: Nicht im Sinne von unerreichbar oder was halt Marathon, nicht im Sinne von unerreichbar, aber es ist Schritt für Schritt.
00:13:34: Das ankommen später an dem punkt wo man sagt da fühlt man sich wohl ist es wert diesen weg zu gehen.
00:13:40: aber es ist kein hundert Meter Sprint dass man sagt okay jetzt reiß ich das Ruder komplett rum und dann habe ich mich verändert und mein Umfeld hat sich verändert und alles ist gut und deswegen glaube ich bringen.
00:13:51: Also können große Entscheidungen in Maximalsituationen schon Sinn machen, keine Ahnung, jemand ist drogenabhängig und der muss aus seinem Umfeld draußen, da kann man nicht sagen, ein bisschen oder Alkoholthemen oder irgendwie sowas.
00:14:02: Aber wir sprechen hier von hauptsächlich über Ärzte und ihre Entscheidungen, das sind kleinere Entscheidungen.
00:14:08: Und da würde ich sogar noch einen Schritt vor des Nein-Sagen gehen und sagen, vielleicht mal einfach stehen bleiben und wahrnehmen, was gerade passiert.
00:14:20: Also der Schritt dann zu sagen, ja, das stört mich oder hier brauche ich Pause, ist ja dann schon der Nächste.
00:14:25: Sondern einfach mal entschleunigt durch den Alltag zu gehen.
00:14:27: und da müssen wir jetzt nicht sagen von hundert auf zwanzig Prozent, sondern einfach mal, keine Ahnung, man hat mit einem Patienten Gespräch gehabt, dann einfach mal vielleicht eine Minute durchatmen und sagen, okay, wie hat das auch nicht gewirkt?
00:14:38: Was hat das mit mir gemacht?
00:14:39: Wie voll habe ich mich als Arzt dabei gefühlt?
00:14:41: Was war gut?
00:14:42: Was war nicht so gut?
00:14:43: Ich glaube, der erste Schritt.
00:14:45: ist gar nicht unbedingt auf Achtzig oder Sechzig Prozent zu reduzieren, sondern das ist ein deutlich späterer Schritt, sondern erst mal sich selbst wahrzunehmen in den Kontexten.
00:14:55: Ja, also ich gebe da mal ein Beispiel.
00:14:57: Ich bin nicht der Typ, der dreißig Sprechstunden in der Woche machen kann.
00:15:02: Ich habe immer gedacht, das müsste man und das sollte man.
00:15:05: Ich habe sehr erstens sehr feine Antennen.
00:15:08: Ich nehme unheimlich viel wahr.
00:15:09: Ein Patient, das strengt mich an.
00:15:10: Ich brauche immer wieder zwischendurch Pausen, die ich mir nehme.
00:15:13: Und ich habe dann irgendwann auch für mich anerkannt und gesagt, ich brauche weniger Patienten, weil mich das anstrengend.
00:15:22: Vor allem, wenn es Patienten sind, die etwas von mir fordern oder wollen.
00:15:26: Das kostet nochmal mehr Energie von mir.
00:15:28: Das ist meine persönliche Struktur.
00:15:30: Ja, jetzt kann ich natürlich sagen, es ignoriere ich.
00:15:32: Das Gesundheitssystem kann das nicht.
00:15:34: Oder aber ich nehme diese Momente einfach wahr und überleg, wie kann ich jetzt Lösungen finden?
00:15:41: um das hinzubekommen.
00:15:43: ja das heißt ich glaube der erste schritt ist erstmal wahrnehmen und das kann eine minute sein oder zwei am tag das reicht erstmal und zu gucken wann passiert denn was in mir?
00:15:54: weil wir menschen sind total unterschiedlich und es triggern ganz unterschiedliche sachen oder kosten energie ganz unterschiedliche sachen.
00:16:02: manche haben eine ganz dicke haut wenn die angeboten angeflaumt werden vom Patienten.
00:16:06: Das stört die überhaupt nicht.
00:16:07: Die stört dann ein anderes Thema, die wieder Dienste gemacht werden.
00:16:10: Das heißt, ich glaube, der erste Punkt ist erstmal wahrnehmen.
00:16:13: Was stört mich denn beziehungsweise auf der anderen Seite?
00:16:16: Was tut mir denn gut?
00:16:18: Also was macht mir denn auch Spaß?
00:16:20: Ja, das heißt, Wenn ich dann eine neue Ausrichtung andenke, ist ja gut zu wissen, okay, die und die Bereiche machen mir Spaß, keine Ahnung, Herzkarte, dann ist total mechanisch, das kickt mich.
00:16:30: Und dann den Herzinfarkt, das macht mir total Spaß.
00:16:34: Das wäre ja schon mal eine Richtung zu sagen, ey, okay, also in diese Richtung bekomme ich Energie, wie kann ich das ausbauen?
00:16:41: Nicht im Sinne von Karriere, sondern im Sinne von, was macht mir Spaß, was bringt mir Energie?
00:16:47: Ja.
00:16:48: Ja gut, also wenn wir kennen das hier alle, wir waren vielleicht als Kinder Fußball spielen und da hast du das gemacht, was dir Spaß macht und wenn der Coach gesagt hast du musst den Store, dann ja.
00:16:59: also das hat man vielleicht mal eine Trainingseinheit gemacht und dann hat man sich auch zudem nicht angestellt, dass man nie wieder hin musste.
00:17:05: Da hat man das als Kind ja total gleich verstanden oder das macht mir Spaß.
00:17:10: Warum jetzt ist jetzt nur mal eine ganz andere Frage, ob die Freunde auch Stürmer waren oder sowas.
00:17:14: Aber man hat ja ein Gefühl gehabt, hey, wenn ich zum Training gehe.
00:17:17: Mein Elan ist da vorne die Tore zu schießen oder hinten keine Tore zuzulassen, oder?
00:17:22: Und das geht uns, finde ich, als Menschen grundsätzlich dann irgendwann auch verloren.
00:17:26: Das wird ein bisschen sozial abtrainiert, diese Freude nachzugehen, sondern wir werden alle in ein System reingesteckt.
00:17:34: Es gibt überall Systeme, nicht nur im Gesundheitswesen.
00:17:36: Im Gesundheitswesen finde ich es einfach extrem, weil es sehr, sehr... formale Vorgaben hat und natürlich auch Notwendigkeiten gewisse Abläufe.
00:17:46: Das ist halt einfach so ein bisschen wie beim Militär für mich.
00:17:49: Das ist sehr strukturiert von außen betrachtet.
00:17:54: Wenn du jetzt diese diese Phasen beschreibst, erst mal stehen bleiben, überhaupt mal zulassen, was ich spüre, ob das negativ positiv oder was auch immer ist.
00:18:04: Man muss es ja noch gar nicht bewerten.
00:18:06: Also was spüre ich überhaupt?
00:18:09: Dann kommt man ja gleich in so eine Ecke.
00:18:13: Bist du Gaka oder was?
00:18:14: Also brauche ich jetzt einen Coach?
00:18:15: Ich bin doch Arzt.
00:18:16: Ich kann alles.
00:18:18: Also wenn ich ein Problem habe, dann gucke ich im Buch nach oder ich lese im Internet.
00:18:23: Ich frag wen auch immer.
00:18:25: Aber nie im Leben nehme ich mir eine reflektierende äußere Hilfe dazu.
00:18:30: Kennst du das aus den Begegnungen mit Kollegen, die dann sich aber für eine Begleitung mit dir entscheiden?
00:18:37: Und wenn ja, was ist dann der Punkt zu sagen?
00:18:41: Es macht für jemanden auch Sinn, sich dafür jemanden dazu zu holen, der in diesem Prozess unterstützt, diesen, wie du gesagt hast, Marathon dann auch zu gehen.
00:18:53: Also ich glaube, es braucht eine Bereitschaft für Veränderung.
00:18:56: Ja, wenn jemand nicht die Bereitschaft hat und sagt, na ja, reflektieren und die Zeit nehmen und ich habe da keine Zeit für, du hast so diese Paradebeispielin, dann ja, aber dann habe ich weniger Geld und keine Ahnung was.
00:19:08: Ich glaube, da ist schon schwierig.
00:19:11: Also ich finde, man kann da niemanden überzeugen und sagen ja jetzt aber hier und das ist das positive und das ich glaube der Schalter muss im Kopf schon klick gemacht haben zu sagen okay ich habe ein Problem und ich möchte eine Lösung und ich bin da bereit dafür auch etwas aufzunehmen um einen Zustand herbeizuführen der mir besser tut und wir sind halt normal total individuell.
00:19:38: Ja, es gibt kein Einheitsschema für alle Ärzte, dass sie zufrieden sind, zu sagen, das ist der Top-Chef für alle, das ist in die Top-Arbeitsbedingungen für alle, das gibt es einfach nicht.
00:19:47: Und ich glaube, deswegen kommen wir an dem Punkt der Selbstreflektion nicht vorbei.
00:19:51: Natürlich, du hast ja schon angesprochen, Arzkultur, Gesundheitssystem ist schon eine Leistungsgesellschaft.
00:19:57: Ja, wir definieren es uns auch, wir werden gebraucht, wir treffen viele Entscheidungen.
00:20:02: Wenn man jetzt dann sagt, ich entschleunige oder ich arbeite weniger oder ich fühle mal in mich rein, öffnet man natürlich auch Räume, wo man nicht so richtig weiß, was da jetzt passiert.
00:20:11: Also dann sich zu öffnen und zu sagen, okay, was liegt mir eigentlich?
00:20:16: Dann kommt vielleicht Erinnerung an früher oder man merkt, okay, was habe ich eigentlich letzten fünf Jahre gemacht?
00:20:21: Ich habe für den Chef gearbeitet und der hat mich dann rausgeschmissen oder für eine Firma oder was auch immer.
00:20:26: Also man weiß da auch gar nicht so richtig, was passiert.
00:20:29: Das heißt, Es braucht eine Grundoffenheit zu sagen, ich habe ein Problem und ich möchte gerne was anders haben.
00:20:35: Und da kann man damit arbeiten und sagen, okay, Schritt für Schritt, geh mal diesen Weg.
00:20:41: Aber ich finde, man muss ganz ehrlich sein, wenn man nicht dazu bereit ist zu sagen, ich möchte mich reflektieren und zu schauen, wer bin ich denn überhaupt?
00:20:51: Und was liegt mir dann zu erwarten?
00:20:54: Wir finden dann ins in den nächsten ein, zwei Jahren eine Lösung, die mir gut tut.
00:20:58: Ich finde, das ist so ein bisschen, glaube Alba Einstein hat es gesagt, wie am Zugbahnhof zu warten und auf ein Flugzeug zu hoffen.
00:21:07: Also es funktioniert nicht.
00:21:09: Wenn ich nicht weiß, wer ich bin, kann ich kein System entwickeln oder einen Weg entwickeln, der mir gut tut.
00:21:14: Das ist dann allgemein und das kann funktionieren, aber das muss nicht funktionieren.
00:21:21: Ich kann ja nur aus eigener V sprechen.
00:21:24: unabhängig von meinem Beruf und meine Herkunft.
00:21:27: In der Selbstständigkeit, du hast es angesprochen, ist das ja auch so ein Thema.
00:21:30: Also in der Selbstständigkeit kannst du nicht sagen, hey, der andere war schuld.
00:21:35: Mein Vorgesetzter hat mir das gemacht, sondern ich muss mich jeden Tag aufgrund meiner Berufswahl selbst reflektieren.
00:21:41: Wenn etwas nicht läuft, dann fällt es schwer zu sagen, die anderen sind schuld.
00:21:44: Du bist ja selber dein Chef, also geht es bei dir los.
00:21:49: Für mich ist das in der Medizin aber... Ein Paradox, ich weiß nicht, ob du deine Antwort drauf hast.
00:21:55: Neunundneinzig Prozent der Menschen, also gehst du auf die Straße, fragst hundert Passanten, möchten sie Arzt werden, sagen in meinen Augen, neunundneinzig Prozent, ja.
00:22:06: Arzt sein, Ärztin sein, sicheres Einkommen, du kannst jederzeit einen neuen Arbeitgeber suchen, du kannst einfach mal sechs Wochen Fällen machen, danach suchst du dir einen neuen Chef, ist ja... ist ja, du hast die Jobgarantie für dein Leben, du hast Anerkennung, du hast Achtung, du kannst was bewegen.
00:22:24: Fragst du die Ärzte und die Ärztinnen, warum trauen sie sich nicht eine Veränderung zu machen, warum trauen sie sich nicht Dinge anzusprechen, wo sie noch nicht mal wissen, ob der Gegenüber oder ihr Vorgesetzter das negativ bewerten, sondern das passiert erst mal bei ihnen, wie du hast gesagt, Dienstplanthema anzusprechen, vielleicht wartet der Vorgesetzter ja drauf.
00:22:46: dass aus seinem Team Initiative kommt, weil er das Thema angehen möchte und den Rückhalt im Team braucht, aber sich selber vielleicht auch nicht traut oder vorgesetzt hat.
00:22:56: Und ich denke immer, was soll passieren?
00:23:00: Was soll passieren, wenn du Dinge ansprichst in deinem aktuellen Setting?
00:23:05: Du bist so gut ausgebildet, du hast die finanzielle Ressourcen, du hast gute Möglichkeiten, woanders Arbeit zu finden.
00:23:13: Und dennoch ... Obwohl ich sagen würde, das sind ideale Voraussetzungen, die die Mediziner alle mit sich bringen, Veränderungen persönlich zu gehen, Veränderungen in den Strukturen zu gehen, habe ich manchmal das Gefühl, ja, warum sprecht denn keiner?
00:23:27: Warum spricht denn keiner Dinge an?
00:23:28: Warum, warum nehmt ihr euch so selbst zurück?
00:23:34: Mit Rücksicht auf die Patienten, mit Rücksicht auf die Teammitglieder.
00:23:39: Alle werden berücksichtigt, allen geht's gut.
00:23:42: Und dann sage ich ja, weil lieber Arzt, lieber Ärztin.
00:23:44: Das ist ja schön, dass es allen gut geht.
00:23:47: Sie stehen kurz vor dem Burnout.
00:23:49: Was ist denn jetzt wichtig?
00:23:51: Und dann macht es manchmal klick und manchmal auch nicht.
00:23:55: Ich mache weiter wie bisher.
00:23:56: Kannst du dir dieses Paradox erklären?
00:23:59: Kannst du es jemanden erklären, der jetzt als Arzt oder Ärzte hinzuhört, was man da macht im Kopf und wie man das vielleicht auch diese Schleife durchbrechen kann und sagen kann, oder ist das schon dieses erst mal stehen bleiben, erst mal ankommt?
00:24:17: Ich könnte mir vorstellen, dass mehrere Komponenten haben.
00:24:19: Also ich glaube, dass jemand, der mehr die zehn studiert, schon grundsätzlich ein sehr eifrige Persönlichkeit ist und sich darüber definiert.
00:24:27: Das heißt, möglicherweise in einer Familienstruktur aufgewachsen, die eine Person gelernt hat, also zumindest war es bei mir so, Leistung, Überleistung bekomme ich Anerkennung, Überleistung bekomme ich Wertschätzung, Überleistung definiere ich mich ein Stück weit und dann zu sagen, ich reduziere, sorg natürlich erst mal für einen für ein Vakuum.
00:24:47: Also das ist tatsächlich, muss ich ganz ehrlich sagen, bei mir ein Stück weit auf so.
00:24:51: Also ich habe auch in der Praxisphasen gehabt, da habe ich siebzig, achtzig Stunden die Woche gearbeitet.
00:24:56: Bis ich dann irgendwann gemerkt habe, so meinen Körper hat die Ressourcen nicht mehr.
00:24:59: Das heißt, ich habe jetzt über ein paar Jahre umstrukturiert.
00:25:02: Jetzt heute Morgen habe ich kein Problem, Podcast zu machen.
00:25:07: Nicht nur das, ich arbeite grundsätzlich erst ab zehn Uhr Dienstags und Donnerstags.
00:25:12: Ab März wird so sein, dass ich noch mal ein bisschen weniger arbeite, weil ich noch mal eine Ärztin einstellen werde.
00:25:17: Und das ist finanziell alles machbar.
00:25:20: Aber für mich ist dann auch erst mal ein Stück weit ein Vakuum entstanden.
00:25:25: Und das darf man dann auch erst mal aushalten zu sagen, ich bin was wert, auch wenn... ich jetzt nicht volle Leistung bringe, so wie sie erwartet wird.
00:25:35: Oder wie vielleicht auch mein inneres Kind das erwartet.
00:25:37: Das sind natürlich alle sehr weiche Begriffe, wo viele Ärzte sagen, was für weiche Themen wollen das auch gar nicht zulassen.
00:25:46: Ich glaube, dass das eine Rolle spielt.
00:25:49: Wir sind auch in einem sozialen Kontext.
00:25:51: Das heißt, viele haben auch diese Ader anderen Menschen zu helfen und definieren sich ein Stück weit auch über diese Anerkennung.
00:25:57: dann glaube ich auch noch mal in diese Rolle gefallen wollen, den Patienten gefallen wollen.
00:26:03: Das gibt man vielleicht nicht so direkt zu, aber wenn man keine Ahnung beim herzenfragten Katheter dann erfolgreich gesetzt hat und der Patient lächelt einen und sagt danke, dann macht das auch was mit einem.
00:26:12: Und ich glaube, wenn man dann reflektiert, reduziert oder sich die Frage stellt, was möchte ich eigentlich?
00:26:19: Dann kann ein Vakuum entstehen, was jetzt nicht unbedingt angenehm ist, wenn man sich darüber definiert hat.
00:26:23: Und ich glaube, deswegen ist der Weg häufig nicht so einfach.
00:26:27: Eine andere Komponente ist, glaube ich, Veränderung bedeutet immer Anstrengung und vielleicht auch ein Stück weit Schmerz.
00:26:35: Also ich habe am Anfang entschieden, dass ich meine Praxis sehr menschlich führen will und habe dann am Anfang, ich würde jetzt nicht sagen, Fehler gemacht, aber dann schon auch gemerkt, na ja.
00:26:47: gewisse finanzielle Einbußen sind damit vorhanden und habe dann aber weitergeschraubt und weitergeschraubt, bis ich jetzt ein Modell entwickelt habe in unserer Praxis, wo wir deutlich weniger Patienten behandeln als der Schnitt, also pro Stunde.
00:27:01: Das heißt, wir haben mehr Zeit, wir haben mehr Zeit für Menschlichkeit.
00:27:05: Unsere Angestellten sind dafür geschult, Menschen zu sehen und trotzdem sind wir finanziell sehr gut aufgestellt.
00:27:12: Aber das ist ein Prozess, das braucht Zeit und das braucht Wille, zu sagen, okay, in fünf Jahren, in zwei Jahren, in zehn Jahren bin ich dann aber einen Punkt, wo ich mich wohlfühle.
00:27:23: Und jetzt ist es so, dass ich Hier mit dir sitze ein Podcast mache.
00:27:27: ich liebe es zu podcasten auch die zeit habe ein buch zu schreiben weil ich gemerkt habe das sind dinge die mich antreiben.
00:27:36: Wo ich unheimlich viel spaß habe energie durchgewinne und sprechstunde für mich nicht der hauptgliebliche ist.
00:27:42: ja ich bin gerne mit menschen in kontakt aber ich glaube das sind viele faktoren die dabei eine rolle spielen die uns daran hindern veränderung einzugehen und da.
00:27:52: Komm mal wieder zum Thema vorher, muss ich aber auch, und ich muss sich aber, ist es sinnvoll zu wissen, dass es das Wert ist?
00:27:57: Weil ich weiß, okay, wenn ich dann da bin, dann bin ich aber auch glücklicher, weil ich nicht von irgendwas weggerannt bin, sondern weil ich etwas gefunden habe, was mit mir selbst stimmiger ist.
00:28:06: Ich
00:28:06: kann das Beispiel mit dem Podcast nur bestätigen.
00:28:09: Also alle haben gesagt, bist du verrückt, Martin?
00:28:11: Warum machst du ein Podcast?
00:28:12: Das ist nur Arbeit.
00:28:14: Für mich sind die Podcast-Interviews das schönste an Docs Goes Wiss.
00:28:18: Also mit anderen in Kontakt kommen.
00:28:21: Und das finde ich bei dir dann auch so schön.
00:28:24: Du bist vielleicht ersten Schritt zurückgegangen.
00:28:26: Du hast gesagt, diesen Raum aushalten war auch schwer für dich.
00:28:31: Aber vielleicht erreichst du ja mit deinem Buch und dem Podcast, was du durch das Aushalten ermöglicht hast, letztlich mehr Menschen in ihren Gesundheitsthemen, als wenn du siezig oder achtzig Stunden in deiner Praxis arbeitest.
00:28:45: Das Ergebnis kann ja trotzdem phänomenal besser sein auf eine Art und Weise, wo du dich wohlfühlst und nicht verbieten musst und noch ein Patienten und noch ein Patienten irgendwie, sondern machst halt lieber ein Podcast und trotzdem an deinem Ziel arbeiten.
00:29:01: Das finde ich sehr, sehr wichtig zu erwähnen, weil ich habe immer das Gefühl in der Medizin, aber das ist nicht nur in der Medizin, das ist glaube ich ein gesellschaftliches Thema.
00:29:12: Erwarten wir immer schnelle Erfolge.
00:29:15: Es muss immer schnell gehen.
00:29:16: Ich mache da eine Ausbildung, da mache ich den Schein und die Fortbildung und dann kommt der nächste Karriere-Schritt.
00:29:21: Was ich sehr ehrlich finde, und da möchte ich noch mal nachfragen, du hast gesagt, es war für dich in der Praxis ja auch nicht immer einfach.
00:29:28: Du hast auch Fehler gemacht.
00:29:30: Das gehört nämlich auch zur Wahrheit dazu.
00:29:33: Wenn man zurückblickt, kann man immer sagen, oh, das war super.
00:29:36: Und da habe ich meine Praxis gemacht und alle haben gesagt, das funktioniert nicht.
00:29:39: heute, sieben, acht Jahre später sitze ich hier.
00:29:42: Gab es Momente, wo du gesagt hast, das war aber auch die volle Fehlentscheidung, wo du gezweifelt hast und wenn ja, wie bist du damit umgegangen?
00:29:51: Natürlich.
00:29:52: Und die gibt es nicht wenig, die Momente.
00:29:53: Also ich erinnere mich an einen Podcast, den ich gehört habe, von den Gründern von Grater.
00:30:00: Ich weiß nicht, ob du die kennst, Grater Festival.
00:30:02: Und da hat er erzählt, in der Anfangsphase, sie haben daran geglaubt, dass es gut ist, was sie machen.
00:30:08: Aber sie hatten tatsächlich eine Phase, wo sie keine Gehälter zahlen können.
00:30:12: Und da hat einer der Gründer seinen Wohnwagen privat verkauft, um Gehälterzahn zu können.
00:30:19: Und als ich das gehört habe, habe ich, oh Gott, ich bin nicht der Einzige.
00:30:22: Man wusste,
00:30:23: was auf dich zukommt.
00:30:24: Der Wohnwagen ist bald weg.
00:30:26: Nee, im Umkehrschluss sogar.
00:30:29: Ich hatte Phasen, wo ich überlegt habe, okay, wie zahl ich jetzt Gehälter?
00:30:33: Und ich glaube, das ist nicht üblich unter niedergelassenen Medizinern.
00:30:37: Die stehen normalerweise recht gut da.
00:30:39: Aber ich bin das Risiko eingegangen, zu sagen, ich möchte andere Strukturen schaffen.
00:30:43: Und natürlich habe ich mir dann die Frage gestellt, was machst du hier eigentlich grundlegend?
00:30:46: Das ist falsch.
00:30:48: Und es gibt auch Phasen, wo Praxisabläufe nicht so gut gewesen sind, wo wir dann auch Kritik bekommen haben.
00:30:55: Wenn wir neue Systeme eingeführt haben, KI zum Beispiel, KI-Telefone oder sowas zu sagen, ja, das passt doch gar nicht zu eurer Praxisstruktur.
00:31:04: Ihr seid doch menschlich, da muss man noch telefonieren und so weiter, dann auch diese Wege zu gehen und zu sagen, ne, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
00:31:11: Also wir haben schon auch Kritik eingesteckt.
00:31:13: Es gab auch Phasen, wo ich echt geschwitzt habe und gesagt habe, vielleicht habe ich doch einfach die falsche Vision.
00:31:20: Jetzt bin ich natürlich an einem Punkt, aber es ist jetzt auch nicht so, ich gehe jetzt auch ein finanzielles Risiko ein.
00:31:24: Also ich habe jetzt einen angestellten Arzt, im März kommt noch eine Ärztin, ich mache das tatsächlich mit einer Bank, weil ich weiß, okay, ich möchte diesen freien Raum, ich möchte diese Energie und ich nehme dafür... Geldverlust in Kauf, um ein, ich sage jetzt mal, erfüllteres und glücklicheres Leben zu führen.
00:31:44: Natürlich, wenn man eine Arzt anstellt, irgendwann trägt sich das und dann ist man schön liquide, das habe ich dann in zwei, drei Jahren ungefähr.
00:31:50: Aber jetzt nehme ich das erneut in Kauf zu sagen, ich biete meinen Patienten eine Vielfalt, dann habe ich eine Ärztin angestellt, eine Frau ist immer gut, dann habe ich ein Arzt angestellt, ich bin da, ich habe aber die Möglichkeit, wie du es auch sagst, ein Podcast zu machen, viele Menschen zu erreichen, nicht nur in meiner Sprechstunde in meinem Zimmer, sondern einen Raum zu schaffen, wo Menschen meinen Gedanken zuhören können, jeder, der das möchte.
00:32:16: Aber das ist immer ein Risiko und es ist eine Vision und das mache ich irgendwo gerne, aber das sind schon Zeiten, wo ich dann manchmal abends auf dem Balkon stehe und denke mir, boah, was machst du hier eigentlich?
00:32:27: Trägt sich das ja und stimmt deine Vision.
00:32:32: Also es ist nicht so, dass ich immer happy-clappy ist und hola-hop und Ich bin selbstständig, ist jetzt alles toll.
00:32:39: Also, da gibt es schon Täler, wo man durchgeht.
00:32:41: Aber jetzt, an dem Punkt, wo ich jetzt stehe, sage ich, ist es alles wert gewesen.
00:32:45: Also,
00:32:46: das ist wie ein großes Haus, das ist nie fertig wahrscheinlich.
00:32:48: Man baut immer, dann muss man wieder mal investieren.
00:32:51: Das finde ich gut, weil ich glaube, aus dem, was du auch so beschreibst, dir war relativ klar, was du möchtest.
00:32:58: Also, nicht adetei, sondern du hattest eine Idee, wie die Praxis aussehen soll.
00:33:04: Und dadurch konntest du immer darauf hinarbeiten.
00:33:06: Und dann sind die Täler, die kommen, sind Täler, aber man sieht wieder den großen Berg, wo man hin möchte.
00:33:12: Und dann ist es einfacher, durchs Tal zu gehen.
00:33:15: Unabhängig von den Sintäben vom Auswandeln, du hast jetzt gesagt, du hast zwei Ärzte eingestellt.
00:33:23: Merkst du bei deinen Personal, dass die Art und Weise, wie du arbeiten möchtest oder wie du arbeitest, wie der Umgang mit den Patienten ist, wahrscheinlich auch der Umgang im Team?
00:33:36: dass es dir einfacher fällt, Personal zu finden, die diesen neuen, ich sag mal, neuen anderen Weg auch mitgehen wollen, also dass du aufgrund der Art, dass du sagst, du willst die Menschen wieder in den Fokus stellen, auch mehr Zulauf bekommst, weil es viele Kollegen im System gibt, die genau solche Arbeitgeber auch suchen.
00:33:58: Nee, also ich bin auf dem Land ein bisschen schwierig.
00:34:01: Also bei Personal, jetzt nicht ärztliches Personal sind wir tatsächlich recht gut aufgestellt.
00:34:06: Also wir haben mittlerweile den Ruf im Umfeld in der Region, dass wir ein guter, fairer Arbeitgeber sind und die Angestellten sich sehr wohl fühlen und wir auch gut bezahlen, also überdurchschnittlich bezahlen.
00:34:17: Da haben wir gar keine Probleme.
00:34:19: Also wir kriegen tatsächlich Bewerbungen von, also wie sagt man, wenn man sich bewirbt, obwohl keine Stelle ausgeschrieben ist.
00:34:27: Initiativbewerbungen.
00:34:29: Also da bekommen wir tatsächlich Initiativbewerbungen.
00:34:31: Im Umfeld gibt es auch einige Praxen, die sagen, auch wenn sie ausschreiben, sie kriegen jemanden.
00:34:35: Wir haben tatsächlich Initiativbewerbungen.
00:34:37: Beim ärztlichen Personal ist es ein bisschen schwieriger, weil wir eben auf dem Land sind, die überlegen sich das dreimal.
00:34:43: Mittlerweile sind die Bedingungen so, dass, ja, ich habe jetzt zwei bekommen, mit dem ich super glücklich, also... Zweiter, der ist noch nie angefangen, aber jetzt von den Bewerbungsgesprächen.
00:34:54: Aber ja, das ist natürlich schon attraktiv, wenn ich sage, also im Schnitt in der Haushaltspraxis werden sechs Patienten pro Stunde behandelt und ich sage bei uns sind es ungefähr vier.
00:35:02: Da sagen ja natürlich schon, oh, also das finde ich dann schon interessant und spannend.
00:35:06: Und wenn wir dann auch mehr Urlaub haben als sechs Wochen im Jahr und Firmen, Events und das Team einfach miteinander harmoniert, natürlich zoffen wir uns auch mal, aber alles eine gute Basis, eine wertschätzende Basis hat.
00:35:19: steigert das natürlich die Attraktivität.
00:35:21: Aber man muss sich Gedanken machen, wenn man jemanden aussucht.
00:35:24: Am Anfang habe ich nach Qualifikationen ausgesucht.
00:35:26: Da bin ich von weggekommen.
00:35:29: Ich habe gesagt, Qualifikation kann man lernen.
00:35:31: Ich such mittlerweile ganz, ganz stark nach Persönlichkeit aus.
00:35:33: Also ich mache das mit meiner Praxismanagerin zusammen.
00:35:35: Wir sind da sehr, sehr ähnlich von unseren Ansichten.
00:35:38: Und das ist unser Hauptentscheidungsmerkmal.
00:35:42: Passt jemand von der Persönlichkeit in unsere Praxis, wenn ja.
00:35:47: Dann stellen wir ein und Qualifikation können hinzu erworben werden.
00:35:53: Wenn nein, dann bringen alle Qualifikationen nichts, weil das wird nur anstrengend.
00:35:57: Ja.
00:35:59: Ich glaube, es gibt bei den Gründern diesen Spruch higher for attitude, not for education.
00:36:04: Also such dir die Leute nach Charakter oder nach Motivation aus, den Rest kannst du ihnen dann beibringen.
00:36:11: Klassisches Beispiel ist McDonald's, ne?
00:36:13: Also... Ich weiß, in der Medizinwelt schlagt er die Hände über den Kopf, die haben alle keine Ausbildung, also setze ich jetzt in der Medizin voraus, aber Personen zu finden, die ich so ausbilden kann, dass sie das Maximum rausholen können.
00:36:26: Und die gibt es ja, die gibt es ja auch in der Medizin, die sagen, ich will das lernen, ich will neu sein, ich will innovativ sein, ich möchte mit KI in der Praxis arbeiten etc.
00:36:36: Spannender Aspekt, ja klar, Land ist... Schwieriges Thema, Ärzte zu begeistern, aber auch das wird sich rum sprechen, bin ich mehr relativ sicher.
00:36:45: Eine abschließende Frage, nochmal ein bisschen Richtung das Thema Auswandern.
00:36:51: Ist das ja selbst erleben, Kollegen und Kolleginnen machen sich Gedanken auszuwandern in die Schweiz, Skandinavien, Dubai, wo auch immer es Möglichkeiten gibt.
00:37:02: Wenn du so jemanden siehst, was für Gedanken hast du da?
00:37:08: Und was würdest du von einer Person mitgeben, was für Fragen, die sie sich vielleicht stellen sollte, wenn sie sich so ein Thema nähert?
00:37:19: Ist das Auswandern die Lösung?
00:37:21: Oder wie finde ich in so einem Moment vielleicht raus?
00:37:25: Bin ich aufm Holzweg oder lohnt sich es wirklich im Stehen bleiben, in der Pause machen, dann auch den nächsten Schritt in ein anderes Land zu gehen?
00:37:34: Ich glaube grundsätzlich, der Fluchtgedanke ist schwierig.
00:37:38: Ich glaube, da muss man sich schon die Frage stellen, sagen, bei mir sind die Bedingungen scheiße, ich will irgendwo anders hin, ich will weg, ist mir egal wohin.
00:37:44: Da muss man sich schon die Frage stellen, okay, macht es Sinn.
00:37:49: Und ich finde in dieser Frage tatsächlich, das klingt jetzt schon wieder so ein bisschen spirituell, ich finde, dass in sich rein fühlen und... Was das in Anführungsstrichen Herz sagt, das ist gar nicht, das ist überhaupt nicht attraktiv oder wenig attraktiv, glaube ich, in der Medizin.
00:38:05: Aber ich glaube, diese Frage sollte man sich stellen.
00:38:07: Also, wenn man zum Beispiel die Schweiz in Anbetracht nimmt oder Dubai oder sowas, finde ich, ist die Geldfrage gar nicht so relevant, sondern nehmen wir Menschen, die am Sterbebett liegen, die antworten alle nicht, ich hätte gerne mehr Geld verdient oder es war gut, dass ich so viel Geld verdient habe.
00:38:24: oder da sind die entscheidenden Fragen.
00:38:27: Wie viel Zeit habe ich mit meinen Freunden verbracht, mit meiner Familie verbracht, mit meinen Kindern verbracht?
00:38:31: Wie bin ich meinen Hobbys nachgegangen?
00:38:33: In welchem Umfeld habe ich gelebt?
00:38:35: Und ich glaube, das ist dann die viel entscheidende Frage zu sagen.
00:38:38: Zum Beispiel, wenn ich mir jetzt die Schweizer überlege, bin ich jemand, der gerne in den Bergen lebt zum Beispiel, bin ich gerne draußen, mag ich sehen, mag ich die Kultur der Schweizer.
00:38:51: wenn ich im Urlaub bin, fühle ich mich da wohl.
00:38:53: Und dann natürlich auch die Arbeitsstrukturen dann zu überlegen, okay, sind das Strukturen, wo ich jetzt sage, fühle ich mich wohl, als Angestellter oder als Niedergelassener, was sind die Bedingungen, nicht so sehr die Zahlen zu betrachten und zu sagen, okay, das ist ein Top-Land und Top-Zahlen und ich muss da nur so und so viel arbeiten.
00:39:13: Ich glaube, dass das Sekundär ist.
00:39:15: Ich glaube, der primäre Faktor ist, pass ich als Person stimmig in dieses Umfeld.
00:39:21: Wir haben über diese intrinsische Motivation gesprochen.
00:39:24: Ich könnte nicht unendlich Sprechstunde machen.
00:39:28: Aber jetzt solche Gespräche, wie wir sie gerade führen, da geht bei mir keine Energie verloren.
00:39:34: Das ist spannend, das ist interessant, man tauscht sich aus.
00:39:37: Und ich glaube, das ist der Aspekt.
00:39:39: in einem Umfeld dann ist oder wenn man sich das vorstellt, in der Schweiz zu sein, zu sagen, mich interessiert es nicht, ob ich da vierzig oder fünfzig Stunden arbeite, weil ich das Gefühl habe, ich bin da am richtigen Platz und mir macht das Spaß.
00:39:52: Und das ist dann, glaube ich, die entscheidende Frage.
00:39:55: Dann interessiert es nicht, ob vierzig oder fünfzig Stunden, dann interessiert es auch nicht, ob ich weiß nicht, wie viel man da verdient, ob es zehntausend Franken sind oder zwölftausend Franken sind oder neuntausend.
00:40:03: Ich habe keine Ahnung, weil man sagt, das ist einfach der Platz, an dem ich mich wohlfühle.
00:40:08: Da stimmen die Rahmenbedingungen für mich, für meine Familie, whatever.
00:40:12: Ich glaube, das ist die entscheidende Frage.
00:40:13: Ist es stimmig mit mir selber und nicht stimmen die Zahlen, die Randfaktoren?
00:40:20: Ich glaube, das ist am Ende des Tages nicht das, was zählt für das Glück.
00:40:26: Ja, kann ich nur bestätigen.
00:40:28: Es war immer die erste Frage in den Gesprächen.
00:40:30: Was verdiene ich?
00:40:31: Da geht es schon los.
00:40:32: Für einen ist das viel, für den anderen ist das wenig.
00:40:36: Ich kann Deutschland und die Schweiz finanziell ja auch nicht einfach mal eben vergleichen.
00:40:40: Das sind andere Sozialsysteme.
00:40:42: Was ist mir wichtig?
00:40:43: Das ist mir Urlaub wichtig, ist mir eine soziale Absicherung wichtig, ist mir Mutterschutz wichtig.
00:40:49: Ist alles sehr, sehr individuell.
00:40:51: Und wenn ich, ich nehme das auch aus dem Gespräch mit, ich muss zugeben, ich hatte ein bisschen andere Gedanken, aber das ist in den Gesprächen so.
00:41:02: Weil was mir, was mir sehr, sehr gut gefallen hat, ist A, dass du mal Einblicke gegeben hast, wie es für dich war in der Praxis.
00:41:09: Das finde ich extrem wertvoll, weil sind wir ehrlich.
00:41:12: Über Dinge, die nicht funktionieren in der Medizin wird selten gesprochen.
00:41:16: Wir sprechen dann immer über die Pilotprojekte und alles war super.
00:41:20: Aber wirklich mal das tagtägliche Dinge, wie du gesagt hast, du hast auch mal auf deinen Balkon Momente, wo du sagst, was machst du hier in der Praxis?
00:41:29: Das sind Vorbilder.
00:41:30: Vorbilder darüber zu sprechen.
00:41:32: Und das ist kein Scheitern, das gehört dazu.
00:41:35: Du bist auch an diesen Aufgaben gewachsen und stehst heute da.
00:41:39: Du kannst Vorbild sein.
00:41:41: Das zweite, was mir extrem gut gefallen hat, du hast gesagt, einfach mal stehen bleiben.
00:41:47: Schon gar nicht darüber nachdenken, was muss ich tun ins Ausland, Pension reduzieren, Praxis kaufen, sondern viel früher, sogar noch vor dem Nein sagen, um sich den Raum zu schaffen, hast du gesagt, stehen bleiben.
00:42:01: mal eine Minute nach einem Patientengespräch.
00:42:04: Einfach mal durchatmen, hören, fühlen.
00:42:08: Und du hast ein paar Mal gesagt, es klingt esoterisch.
00:42:11: Ja, wenn man aus der Medizin kommt, klingt es wahrscheinlich sehr esoterisch.
00:42:16: Wenn man es anders einfach mal in sich seine Gefühle hochlassen.
00:42:20: Die Gefühle, mögen sie Angst machen, mögen sie Freude machen, lächeln und drehen, einfach das wieder erlauben, weil es gibt die Richtung vor.
00:42:31: Ich bin hinter DDR groß geworden mit Religion, Esoterik, ich gar nicht.
00:42:37: Und es gibt viele Leute, die sagen, ja Martin, diese Verbundenheit haben wir alle in diese Bezug zur Natur, zu unserem Gefühl.
00:42:46: Und das ist mir sehr hängen geblieben.
00:42:48: Und das Dritte, ja vielleicht ein bisschen hart, aber auch da muss man ehrlich sein, man kann viel jammert.
00:42:56: Und das wird ihm dann Medizin viel jammert.
00:42:59: Aber dann bitte auch die Konsequenz zu sagen, okay, ich habe es in der Hand und ich bin bereit, Dinge zu ändern.
00:43:05: Ich bin bereit, an mir zu arbeiten.
00:43:08: Okay, dann darf man auch jammern, wenn es schief geht.
00:43:11: Aber nur jammern und sagen, alle anderen sind schuld, Leute, dann müssen wir uns auch wirklich an die Nase fassen.
00:43:17: Da ändert sich halt auch nichts.
00:43:19: Die drei Sachen nehme ich mit, Ben.
00:43:22: Wenn der Podcast rauskommt, bist du wahrscheinlich selber dann schon Podcaster.
00:43:26: Ich wäre auf jeden Fall in den Shownotes.
00:43:29: verlinken, wo man dich findet, wo man dich fragen kann, wo man dann deinen neuen Podcast hören kann, wenn man dein Buch lesen kann.
00:43:36: Ja, und ich sage danke, dass du deine Praxis so umgebaut hast.
00:43:38: Das war früh an einem Vormittag, Werktags diesen schönen Podcast gemacht haben.
00:43:43: Danke dir, Ben, für deine Zeit.
00:43:45: Ich danke dir auch ganz herzlich.
00:43:46: Hat mir sehr viel Freude gemacht.
00:43:49: Du weißt jetzt, wo du, Ben, findest, mich, mein Auswanderleit faden, alles zum Thema Leben und Arbeiten in der Schweiz, findest du auf docsgoswiss.ch
00:43:57: Danke, hast du reingehört.
00:43:58: Empfehle die Folge weiter.
00:44:00: Viel Gesundheit, dein Martin Werner.
00:44:02: Ciao.
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