#59 Führen in der Schweiz: Zwischen Diplomatie und Klartext – Mein Gespräch im Karriereweg-Podcast
Shownotes
Wie führt man erfolgreich in der Schweiz? Und was unterscheidet die Führungsstile von Deutschland und der Schweiz? In dieser spannenden Podcast-Folge war ich zu Gast bei Katrin Moser im Podcast „Dein Karriereweg“. Wir sprechen über kulturelle Unterschiede in der Führung, Fettnäpfchen für deutsche Ärzte und Ärztinnen in der Schweiz und wie man mit dem typischen Schweizer Kommunikationsstil umgeht. Hör rein, wenn du wissen möchtest, wie du erfolgreich in der Schweiz führst – oder geführt wirst! Unsere erste gemeinsame Folge "Wie deine Bewerbung zum Erfolg wird", findest du hier.
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Transkript anzeigen
00:00:00: [Musik]
00:00:06: Richtig führen oder richtig geführt werden in der Schweiz. Dazu hat mich
00:00:13: Katrin Moser in ihren Podcast "Karriereweg" eingeladen und wir haben vor ein paar
00:00:18: Wochen genau über dieses Thema gesprochen. Ich bin Martin Werner,
00:00:24: Gastgeber des Podcasts "DocsGoSwiss". Alles für Ärzt und Ärztin, die in die
00:00:29: Schweiz auswandern wollen. Ich heiße dich herzlich willkommen. Du darfst also eine
00:00:34: spannende Folge zum Thema "Führen in der Schweiz erwarten" und "Führen" tuest du ja
00:00:40: als Arzt oder Ärztin ab deinem Facharzt oder du hast selber Schweizer
00:00:48: vorgesetzt, wenn du hierher auswanderst, die ja auf einer bestimmten Art und Weise
00:00:53: kommunizieren, führen und darüber habe ich mit Kathrin gesprochen. Du erfährst
00:00:59: also Fettnäppchen, auf die du achten darfst, wie du es machst und ja was du
00:01:05: damit nehmen kannst, damit du gut führen kannst und verstehst wie das in der
00:01:10: Schweiz funktioniert. Katrin Moser hat mich bereits in der Folge 9 schon mal
00:01:18: gesprochen. Da ging es um das Thema "Deine Bewerbung und wie sie zum Erfolg
00:01:23: wird". Eine der beliebtesten Folgen und so haben wir eben nochmal diese zweite
00:01:27: Folge aufgenommen. Diese Folge wird gesponsert von der PraxaMed Center AG,
00:01:32: deinem Partner mit einem rundum sorglos Paket für eine Anstellung als Arzt oder
00:01:39: Ärztin in der Schweiz. Die folgenden Frage stellt Katrin Moser und viel Spaß
00:01:44: dabei. Genau, ich erinnere mich noch gut an unser
00:01:47: letztes Gespräch. Da haben wir ja viel über die kulturellen Unterschiede
00:01:51: gesprochen, das in Deutschland alles ein bisschen direkter, ein bisschen tafer
00:01:55: ist, dass man halt auch mal sagt, ich bin gar nicht zufrieden und in der Schweiz ist
00:01:59: ja, wenn man sagen würde zu jemandem, ich bin gar nicht zufrieden, würde der
00:02:03: wahrscheinlich direkt ohne Mächtigkeum Stuhl kippen. Also ist ja alles ein
00:02:07: bisschen subtiler, freundlicher und da sind wir ja drauf gekommen.
00:02:11: Das Thema Führung. Es muss jetzt nicht unbedingt vom Arzt sein, aber einfach,
00:02:16: wenn du als Deutscher in die Schweiz kommst und ein Team führst, da wollen
00:02:21: wir heute drüber reden, dieses Thema mal genauer beleuchten, weil ich glaube,
00:02:25: da gibt es auch viele, viele Fettnäpfchen. Hast du da Praxisbeispiele vielleicht?
00:02:32: Ja, also ich bin das beste Praxisbeispiel, glaube ich, nicht über Anteilreden,
00:02:37: sondern über mich selber. Ich habe nicht direkt in der Schweiz angefangen mit der
00:02:41: Selbstständigkeit und der Beratung von Ärzten und Ärztinnen, sondern ich habe
00:02:45: vorher am Angestellten Verhältnis im Finanzbereich gearbeitet und ich
00:02:51: war in der Bürogemeinschaft und auf der Etage war ich der einzige Deutsche,
00:02:58: sehr viele Schweizer und mein Vorgesetzter waren Schweizer und unser
00:03:05: Vereinsvorstand waren auch Schweizer. Und da kann ich sagen, ist es in mir, also
00:03:12: über die Jahre sind mir Sachen gar nicht aufgefallen, bis es irgendwann so Richtung
00:03:19: Trennung ging. Also die Firma hat sich verändert und es standen Veränderungen an
00:03:24: und für mich kam das aber so aus dem blauen Himmel, weil im Nachgang mit
00:03:30: einem bisschen Abstand ich die Zeichen überhaupt nicht verstanden habe, die mir
00:03:34: meine Schweizer Vorgesetzten schon immer mal gesendet haben. Es war also absehbar,
00:03:39: dass es strukturelle Veränderungen gibt in der Firma und dann hieß es vielleicht
00:03:44: immer mal zum Beispiel im Jahresgespräch, ja Martin, wie willst du dich denn
00:03:49: weiterentwickeln? Und für mich als Deutscher heißt Weiterentwicklung, ich
00:03:53: bin zufrieden in der Firma, mein Chef hat jetzt auch nichts anderes gesagt, also
00:03:58: geht es um Weiterentwicklung in der Firma. Noch eine Fortbildung oder eine neue Rolle
00:04:04: einnehmen, ich war damals stellvertretender Geschäftsführer,
00:04:06: vielleicht ergeben sich Möglichkeiten, aber eigentlich war gemeint, hey Martin,
00:04:12: schaue dich doch schon mal um. Es gibt bei uns Veränderungen, das war gemeint mit
00:04:18: diesem ja, wie willst du dich denn weiterentwickeln? Hab ich überhaupt nicht so
00:04:22: verstanden? Also kann dich einfach nicht. Und ich glaube da ist es schon so, dass die
00:04:28: Schweizer tendenziell, nicht alle aber tendenziell in der Konflikteskalation oder
00:04:36: in der Kommunikationsvermittlung viel niederschwelliger anfangen, viel
00:04:42: indirekter und ich, das als Deutscher gar nicht gewohnt war. Also wenn irgendwie
00:04:49: Veränderungen anstanden, muss ja gar nicht in Konflikt gewesen sein,
00:04:54: irgendwann Veränderungen im Team, dann wurde relativ schnell klar gesagt, dass es
00:04:59: Veränderungen gibt und es wurde nicht so diplomatisch herumgerätet, auch noch
00:05:06: persönlich begrüßt, hey wie geht's der Familie, wie war der Urlaub Martin?
00:05:10: Also ganz andere Einstieg und offenbar ist mein Gehören dann so geprägt und
00:05:16: das auch von anderen Kulturen eben geprägt, wenn man in die Schweiz kommt, aus
00:05:20: seiner Heimat und man hört natürlich erst mal nur das, was man hören möchte
00:05:25: oder gewohnt ist. Und das ist natürlich eine Herausforderung für eine Führungskraft,
00:05:31: also wenn ich das jetzt ummünze, zum einen es ist eine Herausforderung für
00:05:35: eine Schweizer Führungskraft, jemanden aus dem Ausland, das so zu erklären, dass die
00:05:41: Person das versteht und das kann jetzt sein, du bist vielleicht eine Führungskraft,
00:05:46: du hast ein Team als Deutscher beispielsweise in der Schweiz, aber du
00:05:50: hast natürlich immer noch einen Vorgesetzten. Also da ist es für
00:05:54: Schweizer auch gar nicht so einfach immer den Ton zu treffen aus der jeweiligen
00:05:59: Kultur des Gegenüber, um zu vermitteln, was sie eigentlich sagen wollen.
00:06:04: Also das geht ja in beide Richtungen und für die andere Seite, für dich als
00:06:10: zugewandert, da ist es natürlich auch eine echte Herausforderung, zum einen nach
00:06:14: oben zu kommunizieren, also mit deinen Vorgesetzten und mit deinem Team.
00:06:19: Wenn du da den falschen Ton trifst, ich sage mal im Spital hat mal einen HR
00:06:24: verantwortlicher zu mir gesagt, wenn du am ersten Tag als Teamführer den falschen
00:06:29: Ton trifst, hast du das ganze Team gegen dich und das ist eine böse Absicht,
00:06:34: das ist nicht böse gemeint, sondern es ist einfach nur die Art der Ansprache, die
00:06:39: wie du sagst dann vielleicht schon Ängste weckt und für uns Deutsche vielleicht
00:06:45: noch die absolut niedrigste Stufe von Veränderung oder Konfliktkommunikation
00:06:49: ist in der Schweiz schon eine absolute Eskalation ist und das kommt nicht gut
00:06:55: an, wenn man dich vielleicht noch als Person persönlich gar nicht kennt.
00:06:59: Ja so appellmäßig, also in der Deutschland kenne ich das, man ist
00:07:03: ja recht zackig, also das klingt ja auch so ein bisschen wie ein Appell und damit
00:07:07: kann man dann da nicht so gut umgehen. Ja sind so viele Kleinigkeiten, also
00:07:12: grundsätzlich würde ich sagen die Schweizer Diplomatie überträgt sich auch
00:07:16: aufs Wirtschaftsleben. Es wird immer geschaut, dass alle die am Tisch
00:07:21: sitzen ihr Gesicht waren und natürlich gibt es auch eine gewisse Hierarchie,
00:07:27: auch wenn die in der Freundlichkeit der Schweizer nicht sofort erkennbar ist.
00:07:31: Das heißt der Chef der vorgesetzte fragt erst mal in die Runde was denn die
00:07:38: Meinung der anderen sind. In Deutschland kommt ist das oft anders, dann hat man
00:07:43: vielleicht zwei Optionen und dann darf das Team noch mal drüber diskutieren.
00:07:46: In der Schweiz hat der Chef auch schon seine Vorstellungen oder die
00:07:51: Möglichkeiten, aber nichts ist so trotz wird das Team viel früher
00:07:55: einbezogen in die Diskussion, kann sich einbringen und das sollte man dann auch
00:07:59: beispielsweise respektieren, dass alle anderen erst mal ihre Ideen vorbringen
00:08:05: und nicht direkt sagen "ne meine ist die beste, in Deutschland haben wir das so
00:08:10: gemacht, warum macht ihr das denn hier so", sondern zuhören den anderen
00:08:16: verstehen und auch immer ein bisschen voraus denken wie sich der andere denn
00:08:22: fühlt, wenn seine Meinung nicht angenommen wird. Also diese Konflikt,
00:08:27: Vermeidung spielt eine große Rolle. Man weiß, kleines Land, vermutlich kommt
00:08:35: das her, man sieht sich immer wieder, das ist im Wirtschaftsleben auch so, man sieht
00:08:39: sich immer wieder, das heißt man darf sich schon überlegen, wer jetzt hier am
00:08:44: Tisch sitzt, ist vielleicht später mal dein Vorgesetzter oder wieder in deinem
00:08:48: Team oder dein Ansprechpartner bei einem Lieferanten. Also ist das ein ganz
00:08:53: anderes, sagen Deutschland teilweise schon recht aggressiv, wie man damit
00:08:59: umgeht auch mit Lieferanten, also mit externen und ich hatte da ein Beispiel,
00:09:04: wir haben Werbung gekauft und ich kannte das aus Deutschland, das war ganz klar,
00:09:09: da gibt es einen Preis, der steht im Internet und unter 50 Prozent Rabatt
00:09:14: wird nichts verkauft, das ganz Standard. Also die versuchen den Preis durchzusetzen,
00:09:19: aber ich habe gearbeitet für so eine Nicht-Regierungsorganisation, es war
00:09:23: einfach normal, dass du dort ein Rabatt bekommen hast, weil du gar nicht das
00:09:28: Budget hattest wie eine große Bank. Und ich rufe da den ersten Schweizer
00:09:32: Dienstleisteransacht her hier, wir würden gerne Werbung schalten, aber nicht zu dem
00:09:37: Preis, ich hätte da gedacht so 50 Prozent Rabatt. Okay, bespree ich beendet,
00:09:42: mein Chef saß mir gegenüber und sagte, du Martin, was machst du da?
00:09:47: Ja, verhandelt. Das kannst du nicht machen, nicht beim ersten Mal, du kannst nicht
00:09:52: einfach anrufen und sagen, hey hier wir und wir machen jetzt ein Rabatt, das geht
00:09:56: nicht. Du lässt dir ja mal Fährte schicken, dann teilst du irgendwie mit, dass wir
00:10:01: eine kleine Firma sind und dass wir halt ein kleines Budget haben und
00:10:05: erklärst ihnen das mal alles und dann, ja wenn die 20 Prozent uns geben ist auch
00:10:10: gut. Nein, das mache ich nicht. Also es geht ja auch um unser Budget,
00:10:15: man sagt, nein, dann musst du ganz anders und ganz hohe. Bei Mittagessen ist ja auch
00:10:20: so klassiker, man geht erst mal miteinander Mittagessen oder so. Genau, also da bin ich
00:10:25: in viele Fettnäpfchen getreten, das merkte ich immer dann, wenn in der
00:10:30: Bürogemeinschaft, die hat einen großen Büro, also einen großen Tisch und dann
00:10:33: können wir auch zusammen Mittagessen und dann trudelnde die Mitarbeiter aus den
00:10:37: verschiedenen Firmen ein. Wenn dann das Mittagessen sehr schnell beendet war, hat
00:10:41: einer irgendwo ein Thema angesprochen, was so gut war und dann denkt man mein
00:10:47: Wort, ich dachte ja, dann nehm' so was Unverbindliches, frag mal, wie am
00:10:52: Wochenende die Fußballergebnisse waren, Mittag zu Ende. Ja, alle ihr habt Essen
00:10:57: eingepackt, abgebrochen, hey Martin, schönen Nachmittag, tschüss. Und ich weiß es
00:11:03: bis heute nicht, ich vermute in den Teams, in den anderen Firmen, gab es irgendwelche
00:11:08: Fußballrevalitäten, die ich nicht kannte und das war quasi so, Kommen,
00:11:14: Agreement dort, dass man nicht über Fußball redet. Ja, weil vielleicht irgendwie
00:11:19: zwei dann aneinander geraten. Ich weiß es bis heute nicht. Ja, oder ein wichtiges
00:11:23: Match verloren, das ganz ganz dramatisch war vielleicht. Genau, irgend sowas und
00:11:29: dann muss ich sagen, ich habe nicht mehr über die deutsche Nationalmannschaft
00:11:31: oder die Schweizer Nationalmannschaft gesprochen, das ist natürlich etwas,
00:11:35: wo man sich absolut zurückhalten darf und das sind ja auch Themen als
00:11:40: Führungskraft, die schon wichtig sind, weil natürlich strahlt man ja nicht nur seine
00:11:44: Fachkompetenz aus, sondern man würde ja auch als Mensch wahrgenommen und da zählt
00:11:49: das natürlich auch dazu. Ja, vielleicht muss man nicht unbedingt mit dem
00:11:54: Deutschland-Trikot rein kommen, in Deutschland gewonnen. Ja, ich wollte auch noch mal drauf
00:11:58: zurückkommen, was du gesagt hast, ziemlich ganz wichtig, zum Beispiel Thema
00:12:02: Mitarbeitergespräch. Ich habe das ja aus der Haarersicht erlebt, ich war ja wie so
00:12:06: die neutrale Person in der Mitte und dann sagte mir der Vorgesetzte, du, ich bin
00:12:11: überhaupt mit meinem deutschen Mitarbeiter wirklich null zufrieden. Ich habe
00:12:15: das dem auch gesagt, aber ich glaube, der hat das überhaupt nicht verstanden und
00:12:19: der hatte eben gesagt, ich glaube, du hast deine Kernkompetenzen noch nicht
00:12:23: voll ausgeschöpft. Was für den heißt eigentlich richtig schlecht und der
00:12:28: Mitarbeiter sagt, ja, es läuft alles super, ich kann mich da nur noch ein bisschen
00:12:33: verbessern. Also der hat es total anders aufgefasst und da habe ich immer
00:12:37: gemerkt, meine Rolle in der Mitte war ja oft so hin und her zu übersetzen, also dem
00:12:42: Chef dann zu sagen, du musst dem Deutschen etwas deutlicher sagen, sonst
00:12:46: versteht der das gar nicht und umgekehrt eben, du musst etwas subtilerst
00:12:50: zuhören und das fand ich schon immer auch interessant, was da so für
00:12:54: Missverständnis entstanden sind. Ja, das ist natürlich auch schwer in so einem
00:12:59: Moment, also Mitarbeitergespräche sind ja ehrlich gesprochen zu beides Seiten,
00:13:04: doch schon ein bisschen Stressmomente, oder? Also der Vorgesetzte will ja eine
00:13:08: Botschaft vermitteln, der Mitarbeiter will vielleicht auch noch ein bisschen mehr
00:13:11: gehalten oder eine Fortbildung, also Mitarbeitergespräche sind ja schon ein
00:13:16: bisschen an Spannung ist da ja schon. Und dann so das Gehör noch zu finden und
00:13:21: die Ruhe und dann zu resonieren schwierig, aber sich einfach vielleicht
00:13:25: Hilfsmittel zu bedienen. Man kann in Fragebogen der Person schon mitgeben, wo
00:13:31: sie vielleicht vorher schon ausfüllt mit einer Scala zum Beispiel, wo man über
00:13:36: die Scala vielleicht schon eine Tendenz eher heraus sieht als im verbalen
00:13:41: gesprochenen und sich da ein bisschen auch Zeit nimmt, als vor dem Gespräch oder
00:13:46: zwei kurze Gespräche draus macht, um das nochmal so ein bisschen ja zu
00:13:52: relativieren, was man gehört hat und dann natürlich auf beiden Seiten
00:13:57: konkrete Absprachen treffen. Ich habe auch oft mit, wie du gesagt hast, mit dem
00:14:02: Skalier nicht, habe auch oft dann nachgefragt mit so einer Skalierungsfrage ja,
00:14:06: wenn jetzt Zehen heißen würde, du hast alles top erreicht, dann habe ich den
00:14:10: Mitarbeiter gefragt, wo würdest du dich dann dann sehen und den Vorgesetzten aber
00:14:15: im dreier Gespräch und wo würdest du jetzt sagen, dass der Mitarbeiter ist?
00:14:19: Dann hat man es ja deutlich gesehen, wenn der Vorgesetzte sagt, ja ich würde mal
00:14:23: behaupten, fünf und der Mitarbeiter sagt ja neun, dann merkst du ja, dass
00:14:29: irgendwo eine Skopanz ist. Genau, weil das ist eindeutig, also in der
00:14:34: Medizin heißt es oft, die Schweiz hat keine Hierarchie oder eine sehr flache
00:14:38: Hierarchie und ich würde da widersprechen, es gibt sehr wohl eine Hierarchie, die
00:14:43: Schweiz hat ein extrem ausgeträgtes Wirtschaftsdenken, also ich würde mal
00:14:49: behaupten, also ja, das ist eher britisch und amerikanisch angehaucht, also die
00:14:56: Wirtschaft und die Leistungsfähigkeit stehen an ganz oberer Stelle in der
00:15:01: Schweiz. Da reinzukommen, heißt gerade, wenn man als Neuling dazukommt, holen
00:15:09: ein die Schweizer, um genau diese Wirtschaft zu stärken. Also das ist eine
00:15:14: klare Einwanderungs- und Migrationspolitik, die die Schweiz betreibt. Also
00:15:19: man erwartet dort eine hohe Leistungsfähigkeit und in der Medizin
00:15:23: ist das eben auch so, dass man ja sich diese Leistung eben dazu nimmt, aber
00:15:30: eben anders als in Deutschland, sich auch wieder trennt. Das heißt, wenn man
00:15:37: merkt, fachlich oder im Team passt das nicht, dann ist man in der Schweiz so und
00:15:42: sagt, nee, dann passt es auch nicht, dafür gibt es eine Probezeit oder danach
00:15:47: gibt es die Kündigungsfrist und das ist eben was, was man in Deutschland eben auch
00:15:51: nicht kennt und dass da klar gearbeitet wird und dass man, wenn man zuzieht, sich
00:15:59: auch bewusst ist, dass es eine extreme Leistungsgesellschaft die Schweiz, sie
00:16:03: verpacken das in eine sehr schöne Freundlichkeit. Deswegen denkt man oft, es
00:16:08: gibt keine Hierarchie und es ist alles sehr kollegial, aber diese Freundlichkeit
00:16:13: bitte nicht verwechseln mit Leistung und Ergebnissen und das fällt einem am
00:16:19: Anfang als zugezogener schon schwer. Man hat einfach noch den Kopf halb aus dem
00:16:25: Land, in dem man kommt, ich sage jetzt mal Deutschland und alles ist neu und der
00:16:30: Kopf sagt, hey komm, über die Schweizer Kultur, also das ist mir jetzt echt einfach
00:16:35: zu viel, ich nehme jetzt einfach mein Denkmuster aus Deutschland, das
00:16:39: übertrage ich jetzt, weil ganz ehrlich, ich habe schon Mühe und Not den Schweizer
00:16:42: Dialekt zu verstehen, also jetzt bitte nicht noch irgendwelche Nuangsen
00:16:46: raus analysieren, ich bin froh, wenn ich verstehe, was mein Chef jetzt gerade auf
00:16:51: Schweizer Deutsch zu mir sagt, da verstehe ich jetzt liebes Gehirn auch echt
00:16:56: nicht, ob der mir jetzt eigentlich was anderes sagen will, sondern ich
00:17:00: höre das, was den mir jetzt sagen will. Ja, ja, ich habe da auch ein private
00:17:03: Missverständnis, was ich so beitragen kann, meine Tochter war ja, die geht ja immer
00:17:08: in Reitkämpfse in der Schweiz und sie hat ja ein Berner Papa, also denkt ja jeder,
00:17:13: natürlich kann das Kind Schweizer Deutsch, aber wir haben immer Hochdeutsch mit
00:17:17: ihr gesprochen, seit Geburt und den Papa, wenn der Berner Deutsch redet, versteht
00:17:21: den eh keiner, so sprich, sie kann ein bisschen schon verstehen, klar, aber wenn
00:17:27: jetzt da einer mit einem breiten Dialekt kommt, hat sie auch keine Chance, und
00:17:31: dann hat die so gesagt, du, ich habe voll abgelost im Reitkämpf, ich habe
00:17:35: nämlich nicht verstanden, was ich machen sollte und ich war dann zu
00:17:38: Schüchtern zu sagen, ich verstehe das nicht und dann war das irgendwie kein
00:17:43: so tolles Erlebnis für sie und die dachten eben, alle, sie reitet schlecht und dann war
00:17:48: sie im anderen Camp und die haben vom ersten Tag gesagt, ja du bist ja Deutsch,
00:17:52: wir sprechen dann immer mit dir Hochdeutsch, es hat super geklappt,
00:17:55: also es war ein riesen, riesen Unterschied und dann habe ich eben das selber so
00:18:00: realisiert, weil ich auch gar nicht daran gedacht habe, dass sie das vielleicht
00:18:03: nicht verstehen. Ja, das kommt eben drauf an, also in der
00:18:09: Wirtschaft ist es oft noch so, dass wenn die Personen hören, dass du
00:18:13: Deutscher bist oder nicht Muttersprachler, Schweizer bist, dann wechseln sie aufs
00:18:18: Hochdeutsch, also auch nach sieben, acht Jahren wäre ich am Telefon gefragt, ob
00:18:23: sie Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch mit mir reden sollen, das haben sie so in der
00:18:27: Schule gelernt. Nichts, dass so trotz gibt es einfach, ja beim Mittagstisch nach
00:18:32: Feierabend im privaten Umfeld passiert das dann nicht mehr so oft, man sind die
00:18:37: halt, gehst du mit dem Team ein Bier trinken, dann sind die im Dialekt und
00:18:41: dann gibt es halt noch Fachspezifischer, Spezifika je nachdem, wie du bist und der
00:18:46: Medizin sagt meinen Arzt, ja da haben sie immer zu mir gesagt, Hebeze, Hebeze, ja
00:18:51: so habe ich es hochgehoben, Hänge nicht hochheben, festhalten, Hebeze heißt
00:18:57: festhalten und das kann dann bei einem Patienten schon ja zur Irritation führen,
00:19:02: aber wichtig ist einfach zu wissen, gerade in diesem Kontext, der sagt, wenn man
00:19:08: wandert aus in die Schweiz oder in den anderen Land, der, der einwandert aber
00:19:13: auch als der, der sich quasi eine auswendische Fachkraft dazu holt, das
00:19:18: auswandern, das ist Stress. In dem Moment, ich rede da wieder von unserem
00:19:22: Gehirn, du hast eine neue Wohnung, du hast ein neues privates Umfeld, du musstest
00:19:27: dir vielleicht in deine alten heimaten Job kündigen, die Wohnung ausräumen, dich
00:19:31: von deinen Freunden verabschieden, dann kommst du da in das neue Umfeld, du weißt
00:19:34: eigentlich in der Praxis, wie gar nichts funktioniert, einkaufen neu, Sprachen
00:19:39: neu, Arbeitsweg neu, neues Computersystem, neue Vorgesetzte, neue
00:19:43: Abläufe etc. und dein Gehirn sagt einfach nur, hey, danke schön und jetzt
00:19:49: sprechen die nicht nochmal hochdeutsch, das ist nochmal irgendwas anderes dazu.
00:19:53: Und hier ging das die ersten Wochen so, ich war froh, als die acht Stunden auf
00:19:57: Arbeit zu umwahr, dann bin ich nach Hause gegangen und bin erst mal schlafen
00:20:00: gegangen, weil ich so müde war von dem allen neuen Eintrücken und da kann man
00:20:06: einfach nur sagen, gerade wenn man Führungskraft ist, unbedingt die Zeit
00:20:11: vor dem Auswandern nutzen, also Schweizer Radio hören, Schweizer Fernseh gucken,
00:20:16: Schweizer Deutschkurs, Onlinekurs machen, um dieses Hörverständnis schon ein bisschen
00:20:21: ja sich anzueignen, es geht nicht ums Sprechen, es geht uns hören, im Best,
00:20:26: am besten Fall im Team, wo man hinkommt, direkt bei der Einstellung
00:20:31: drum bitten kriegt.
00:20:34: man ein Buddy an die Seite. Kriegt man ein Schweizer vielleicht auf der selten Hierarchie-Ebene
00:20:39: in einem anderen Team, den man fragen kann, wie läuft das hier am ersten Arbeitstag? Wie
00:20:44: stelle ich mich vor? Wie mache ich mein erstes Mitarbeitergespräch, wenn ich hier neu reinkomme?
00:20:50: Weil die Schweizer, ja, für dies ist normal. Aber wenn man sie dann nachfragt, dann realisieren
00:20:57: sie schon hierher. Das ist ja immer ganz spannend, dass die Person sich darum kümmert, weil
00:21:02: da läuft da vielleicht doch ein bisschen anders, aber wie man das beispielsweise aus Deutschland
00:21:06: oder Österreich kennt. Also das ist extrem wertvoll. Viel fragen sich jemanden an die
00:21:12: Seite holen, dem vielleicht ein bisschen als vertrauensvolle Person auch hat oder einen
00:21:17: externen Dienstleist. Ich mache das ja auch für meine Mediziner, dass die jemand haben,
00:21:22: mit dem sie über solche Ereignisse sprechen können, die sie nicht zuordnen können und
00:21:28: nicht diese Sachen so aussitzen und warten, sondern fragen, fragen, fragen. Und das ist
00:21:34: natürlich was, was Führungskräfte nicht unbedingt können, weil Fragen immer so mit
00:21:40: Schwäche zeigen verbunden wird. In der Schweiz oder beim Auswohnen würde ich sagen, Fragen
00:21:46: ist also absolut king. Nutzt die ersten 100 Tage und frag Löcher im Bauch, wie nur geht.
00:21:52: Ja, ja, ich glaube, da ist auch einer dann böse, sondern die finden das auch gut. Also
00:21:56: weil das zeigt ja, ich bin interessiert, ich möchte lernen, finden die auch gut. Genau,
00:22:02: es ist ein bisschen die Frage, wie man fragt, aber ein Kollege sagte mal, wenn du aus dem
00:22:08: deutschen Krankenhaus kommst und im OP stehst und sagst, Leute, hey, so machen wir das jetzt
00:22:14: hier in Deutschland, in meinem Krankenhaus hat das so funktioniert. Kommt gar nicht gut an.
00:22:18: Aber wenn du sagst, Leute, ich glaube, wir könnten das vielleicht ein Tick anders machen,
00:22:24: erklärt mir doch mal bitte, warum macht ihr das im Spital hier so, wie ihr es jetzt macht?
00:22:30: Und dann erklären die und dann kann man sagen, ja, aber ich glaube, den Punkt wollen wir den nicht mal,
00:22:36: wäre das nicht besser für euch, wir machen das so und so. Aber nicht mit diesem, ja, da haben
00:22:42: wir das so gemacht und ja, da können wir das besser, sondern einfach über die Fragen Interesse
00:22:47: zeigen, ernstes Interesse natürlich zuhören, was die Mitarbeiter ja vielleicht auch schon für Ideen
00:22:53: haben, aber noch nicht umsetzen konnten. Und dann kommt das nicht als Schwäche an, sondern das ist
00:22:57: eine Führungskraft, die zuhört. Und das ist ja etwas, wo heutzutage auch immer mehr eine Rolle
00:23:03: spielt. Dieses von oben runter, hierarchiemäßig, ja, die junge Generation akzeptiert das im
00:23:11: Arbeitsleben nicht mehr. Also kann man sich da eher sympathien schaffen, wenn man viel fragt und
00:23:16: gut zuhört. Ja, ich glaube, das Keywort für mich ist auch zuhören, Fragen stellen, dass man nicht so,
00:23:23: man hört ja oft die deutschen Chefs, die sind so wie, ich habe schon das Wort gehört, der Elefant im
00:23:28: Porzellan laden, die kommen und trampeln dadurch, und dann kommt es natürlich so an beim, bei den
00:23:34: Gegenüber beim Team, wie haben wir nichts richtig gemacht in der Vergangenheit? Also so nach dem
00:23:39: Motto, jetzt kommt der da aus Deutschland und will uns zeigen, wie es richtig geht. Und da muss man,
00:23:44: glaube ich, wirklich am Anfang ganz gut aufpassen, vielleicht mal mit jedem Gespräch führen,
00:23:49: jeden Abholen, wo er steht, eben fragen, wie siehst du das und also sehr, sehr subtil. Ja, es
00:23:58: gibt noch so einen Themenfeld, also in der Medizin ist es teilweise so, dass Führungspositionen nicht
00:24:04: an Ärzte vergeben werden, die direkt aus dem Ausland kommen. Also so leitender Arzt, Chefarzt,
00:24:09: gibt es einige Arbeitgeber, die sagen, du kennst eben die Abläufe hier noch nicht, du kennst die
00:24:16: Kultur noch nicht, du weißt noch nicht, wie du mit Mitarbeitern sprichst, du kannst wahrscheinlich
00:24:21: richtig gut operieren, das haben wir gesehen, aber du bist ja hier personalverantwortlich,
00:24:26: du bist nicht Arzt, du hast noch andere Aufgaben. Mach erstmal ein, zwei Jahre in einer niedigeren
00:24:32: Funktion, lerne alles und dann ist die Beförderung auch in Ordnung. Das ist eine Sache,
00:24:38: für Führungsgestandene Führungskräfte, wo man halt einfach eine offene Kommunikation mit dem
00:24:44: potenziellen Arbeitgeber braucht, wo man dann Absprachen trifft, wann denn die Beförderung
00:24:49: gemacht wird unter der welchen Voraussetzung. Es ist kein Rückschritt, sondern ich sage immer,
00:24:55: auch manche guten Fußballspieler gehen aus der Bundesliga raus und spielen in Spanien erst mal in
00:25:00: der zweiten Liga und werden irgendwann schon gescautet und spielen dann in Madrid oder Barcelona
00:25:07: oder wo auch immer in der ersten spanischen Liga, weil es eben diese Adaption benötigt und die
00:25:13: Schweizer offenbar schlechte Erfahrungen damit gemacht haben mit dieser Direktheit. Andersrum
00:25:19: kann man sagen, wenn ich jetzt aber so eine Position bekomme, würde ich zweimal hingucken, was denn
00:25:25: eigentlich meine Aufgabe in dieser Firma ist, denn es kann natürlich auch sein, dass in der Firma
00:25:32: gesucht wird und Veränderungen anstehen, die viel leichter mit einem deutschen Durchzusetzen sind,
00:25:39: der noch nicht gut freund ist mit den ganzen Kollegen, der sehr hierarchisch entscheiden kann
00:25:46: und vielleicht nicht zurück schreckt, Kündigungen auszusprechen oder Umstrukturierungen zu machen.
00:25:53: Also auch das habe ich gehört, selbst noch nicht erlebt, dass es bewusste Entscheidungen gibt,
00:26:00: dann ausländische Fachkräfte zu nehmen, denen es einfacher fällt, dort hart durchzugreifen,
00:26:06: also in Anführungszeichen hart durchzugreifen und da also eigentlich Augen auf bei der Wahl des
00:26:14: Arbeitgebers möchte man das oder was ist da auch Hintergrund der Stelle? Oder auch immer nachfragen,
00:26:20: also was ist denn meine Rolle oder wofür habt ihr mich eingestellt, wie würdet ihr merken nach
00:26:25: sechs Monaten, es hat sich gelohnt, Martin oder Katrin hier einzustellen? Also die Erwartung...
00:26:31: Und auch immer noch muskettieren. Viel Zeit in der Firma vorher verbringen,
00:26:36: vielleicht nicht gleich bei allen Dreien, wo man sich beworben hat, sondern wenn man sagt,
00:26:39: die Firma soll es wären, nicht die Mühe scheuhen zu sagen, ich gehe mal eine Woche Probe arbeiten,
00:26:45: weil man wechselt halt das Land auswandern, kann man nicht so leicht korrigieren wie ein Job
00:26:50: wechseln, sage ich mal innerhalb von Berlin und einfach mal eine Woche hospitieren gehen,
00:26:55: das Ganze auf sich wirken lassen, auch mal in die Gespräche kommen, die, wenn ich eine Ärzte
00:27:02: habe, die hospitieren gehen in einem Spital für einen halben Tag oder einen Tag. Also wenn
00:27:08: das Spital das so organisieren möchte, dass die Schattenseiten nicht auffallen, dann kriegt man
00:27:15: das an einem Tag ganz gut hin. Die Personen so zu beschäftigen, dass die einen Bombeneindruck hat
00:27:19: und dass die mit den richtigen Personen spricht und die alle nur was ganz Tolles erzählen.
00:27:24: Das kriegt man locker hin. In einer Woche wird es schon schwieriger, dann hört man vielleicht,
00:27:30: entschleft man im Hotel, dann fragt man mal im Hotel nach, wie was so ein Ruf der Arbeitgeber hier hat
00:27:36: und dann hört man vielleicht, dass die vielleicht gerade zehn Leute entlassen haben etc. Also dieses
00:27:42: so ein bisschen dieses Stallgefühl, aus dem rum zu bekommen und ich weiß, oft hat man nicht die
00:27:49: Zeit, man hat ja noch den alten Job, also man muss irgendwie Urlaub nehmen oder was auch immer,
00:27:53: um sich das frei zu machen. Aber wenn man diesen Schritt gehen will, auf jeden Fall zwei, drei,
00:28:00: vier Tage pro Bearbeitengehen, sich das angucken, Fragen stellen und das Gefühl nicht nur auf
00:28:08: einem zwei Zoom-Calls und einen vor Ort Gespräch belassen. Ja, was mir auch noch auffällt, also ich
00:28:13: hatte mal eine Kundin, die war aus USA, war die gekommen, die hatte zwar deutsche Wurzeln und
00:28:19: sprach Deutsch, kam aber wirklich aus einem Krankenhaus in USA in die Schweiz und die hat
00:28:25: wirklich nach sechs Monaten das Handtuch geworfen, weil sie sagte, ich kann mit diesen wenig
00:28:31: digitalisierten Prozessen nicht umgehen. Also das halt ich auf Notizzettel mache und das mit der
00:28:37: Rohrpost ist kein Witz, ein Sekretariat geschickt wird und die tippen dann den Bericht und dann
00:28:43: kommt ja irgendwann wieder zurück. Also da konnte die nicht damit umgehen und sagte, das ist mir auch
00:28:48: zu viel Risiko, dass ich ein Fehler mache, weil ich dann nicht sehe, was in der letzten Schicht
00:28:53: passiert ist mit dem Patienten, weil vielleicht dieser Bericht einfach noch nicht fertig ist.
00:28:57: Und dann hat die gesagt, nee, also sie ist es gewöhnt mit dem Tablet, alles vernetzt,
00:29:02: alles digital und sie ist zurück tatsächlich in die USA dann. Ja, ich glaube, das gibt für
00:29:08: jeden so Punkte, wo jetzt andere sagen würden, ja, stelle dich doch nicht so an. Also das sind
00:29:13: einfach eigene Gewohnheiten oder Prinzipien, die jeder von uns mithat. Das können ganz unterschiedliche
00:29:19: Dinge sein. Genau, und dann halt zu sagen, wenn das ist jetzt so mein No-Go, also für die war das jetzt
00:29:25: ein absolutes No-Go, weil sie will nicht rückschrittlich, da wie sagt man, wieder halt zurück.
00:29:31: Genau, die war es einfach ein fachlicher Rückschritt wahrscheinlich, genau, die hat das so
00:29:36: empfunden irgendwie, dass es nicht mehr zeitgemäß ist und jetzt arbeite ich in so einem nicht
00:29:40: zeitgemäßen Krankenhaus wahrscheinlich. Also was ich immer wieder höre, ist bei der
00:29:44: Wohnungssuche in der Schweiz, der absolute Rückschritt, ist die gezahlte Waschmaschine. Also das gibt es
00:29:51: in vielen Schweizer Mietwohnungen immer noch, dass die Waschmaschinen im Keller stehen und
00:29:56: dass man die sich mit seinen Nachbarn teilt. Das ist auch für den einen oder anderen beispielsweise
00:30:01: so ein Ding, wo man sagt, nee, das möchte ich aus jeklinischen Gründen nicht, sondern ich möchte
00:30:05: waschen, wann ich will. Gut, mittlerweile gibt es da auch Wohnungen, wo man das in der Wohnung hat.
00:30:11: Aber ich glaube, da hat jeder so Dinge, die für einen wichtig sind aus der eigenen Geschichte,
00:30:15: aus der eigenen Erziehung. Und da muss man einfach gucken, wie, ja, also wie meien die Schweizer das,
00:30:22: kann ich damit umgehen, finde ich eine Lösung, weil was definitiv dazu führt, wie du sagst,
00:30:28: dass die Ärztin nach sechs Monaten gegangen ist, wenn dich sowas jeden Tag stört, egal ob auf
00:30:35: Arbeit oder im privaten Umfeld, ja, dann kannst du eigentlich darauf warten, dass du sagst, du gehst
00:30:42: zurück, weil das darf nicht passieren. Ja, es wird Sache geben.
00:30:46: Ich habe einen super Tipp, ein Insider-Tipp. Wenn du jemanden treffen sollst, also der frickt dich immer
00:30:52: wieder nach einem, wir können wir zusammen essen gehen und du hast überhaupt keine Lust, weil du
00:30:57: das ja so nicht sagen kannst, dann kannst du nämlich sagen, es tut mir leid, ich habe Waschtag.
00:31:01: Weil du ja dann nur, wenn du berufst, hier dich bist und die Waschmaschine nicht alleine hast,
00:31:08: musst du das ja an deinem Waschtag machen. Und das war immer so ein bisschen der Running Gag,
00:31:13: dann kannst du natürlich auch immer so sagen, ja sorry, ich wäre so gern mitgekommen, aber ich
00:31:18: habe leider Waschtag heute. Ja, das sind genau, das sind diese Kleinigkeiten, wo, wenn du jetzt sagst,
00:31:25: ich komme nicht mit Mittagessen oder ich gehe nicht abend mit dir essen, das wird sehr unhöflich
00:31:29: aufgefasst. Wenn du aber Waschtag hast, weiß jeder Schweizer eigentlich, ich möchte nicht,
00:31:35: aber du sagst es halt nicht so direkt und dann ist es okay. Und ich glaube, ja, das ist normal.
00:31:43: Irgendwas stört ein immer, es sollte nicht tagtäglich passieren, dass es ein stört, weil dann hat man
00:31:49: immer das Gefühl, ich bin hier im falschen Ort, im falschen Land, in der falschen Firma. Und das
00:31:54: ist einfach das Restrisiko vom Auswand. Das kann man im keilen Land vorher wissen. Ich würde jetzt
00:32:00: mal sagen, deswegen gut anschauen, warum möchte man ins Ausland gehen, warum möchte man im Ausland
00:32:06: eine Führungsposition wahrnehmen und kann man beispielsweise guten Gewissens damit leben,
00:32:11: dass man sagt, hey, ich war drei Jahre in der Schweiz und nach drei Jahren gehe ich wieder
00:32:15: zurück in meine Heimat und ich schäme mich nicht, das in mein Lebenslauf reinzuschreiben, sondern
00:32:22: selbst wenn mir die drei Jahre nicht das fachlich gebracht haben, was ich mir vorgestellt habe,
00:32:28: es waren drei Jahre extreme Erfahrungen, die mich auf dem Arbeitsmarkt total attraktiv machen,
00:32:35: die mich privat und persönlich weitergebracht haben. Wenn ich das von mir aus sagen kann,
00:32:41: so vom Charakter her, von meinem Naturell her, ja, dann spricht ja nichts dagegen, das zu probieren,
00:32:46: weil ja, dann geht man halt wieder zurück und das Leben geht zu Hause weiter und mit Auslandserfahrung
00:32:53: vielleicht sogar zu Hause in der Karriere noch besser als Führungskraft, weil man sagen kann,
00:32:57: hey, ich war mutig, ich habe es gemacht, ich bin gegangen, ich kann mich anpassen,
00:33:02: ich habe ein anderes Wirtschaftssystem kennengelernt, ich habe andere Führungsinstrumente kennengelernt,
00:33:08: das haben alles meinen Mitbewerber nicht. Also, wenn ich das sagen kann, spricht eigentlich nichts
00:33:13: dafür, das zu probieren. Wenn ich sage, da tue ich mich echt schwer mit und ich lasse so viel
00:33:19: hier zurück und ich habe meine supertolle Position und dann ist vielleicht nicht unbedingt gut.
00:33:26: Dann vielleicht eine letzte Anmerkung auch sprachlich, also ich habe oft gehört,
00:33:33: von wenn ich im HR gearbeitet habe, wurde so gesagt, ja, der deutsche Chef, der ist ja arrogant,
00:33:40: weil der hat, schmeißt immer mit Fremdwörtern um sich und er redet ja so, wie haben die gesagt,
00:33:47: was ist so hochgestochen, ja. Aber ich glaube, das ist einfach von dem Hochdeutsch, hat man ein
00:33:53: bisschen mehr, vielleicht Vokabular und wenn man mal genau guckt, ist die Schweizer Grammatik relativ
00:33:58: einfach, also man sagt jetzt nicht, ich ging, man sagt immer, ich bin gange. Also praktisch alle
00:34:04: Vergangenheiten ist einfach, ich bin gange und wenn du dann natürlich da kommst, mit was das ich
00:34:09: plus quam perfekt und Präteritum und weißt ich was, dann hört sich das ja immer ein bisschen arrogant
00:34:15: oder so, ja, der stellt sich über uns, aber das ist gar nicht so gemeint, es ist einfach dem
00:34:21: Hochdeutsch geschuldet. Ja, es ist ein guter Hinweis, also man muss das nochmal so vielleicht
00:34:27: einordnen, die Schweizer können alle Hochdeutsch, aber für die Schweizer ist Hochdeutsch die erste
00:34:34: Fremdsprache. Also zu Hause in der Regel, also sagen wir mal, in einem normalen Haushalts kann
00:34:41: passieren, dass das Kind bis zur Vorschule, also bis zum Alter von vier Jahren, Schweizerdeutsch spricht,
00:34:49: dass die im Umfeld aufwachsen, wo Schweizerdeutsch gesprochen wird. Also erst mit der Schule kommen
00:34:56: die mit dem Hochdeutsch in Kontakt. Das heißt, die lernen das neu. In der Schule ist es wohl auch
00:35:03: oft so, dass, sagen wir mal, die strengen Fächer, die werden in Hochdeutsch unterrichtet, Mathe,
00:35:08: Deutsch, klar. Also die, wo wir sagen, da geht es um was, die werden in Hochdeutsch unterrichtet
00:35:15: und wie Sport oder Heimatkunde oder so, die werden in Schweizerdeutsch unterrichtet. Also auch da ist
00:35:22: so dieses Hochdeutsch ist so ein bisschen die Amtssprache. Wer hat schon gerne mit den Ämtern
00:35:28: was zu tun, also auch nicht viele. Und für die Schweizer ist das immer einfach wieder ein Wechsel
00:35:33: in eine andere Sprache, wo sie sich oft nicht so gut ausdrucken können wie im Schweizerdeutsch. Und
00:35:39: das geht uns ja auch so. Wir können uns in Englisch schon unterhalten, im meisten, wenn wir es auf der
00:35:45: Schule gelernt haben. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass ich da so eloquent bin und ich richtig
00:35:49: tollen Borte finde, wie ich das im Deutschen finde. Und manchmal, mir ging das manchmal so,
00:35:57: wenn die Schweizer dann mit mir Hochdeutsch gesprochen, dann habe ich immer gesprochen haben,
00:36:01: dann habe ich immer gedacht, hey Leute, ich bin doch kein Tourist, ich bin doch kein Ausländer.
00:36:06: Ihr könnt schon ein bisschen schneller reden. Aber das ist einfach der Tatsache, geschuldet,
00:36:11: dass das wirklich für sie manchmal schwierig ist, die richtigen Worte zu finden. Nicht weil sie es
00:36:16: nicht können, sondern weil sie es einfach nicht oft sprechen und dann auch sehr bemüht sind,
00:36:21: das richtig zu machen. Wegen einfach reden und in der Medizin sowieso. Deine Angestellten erkennen
00:36:29: auch so, ob du gut bist oder nicht. Das hängt nicht mit den Vokabeln zusammen, die du benutzt.
00:36:34: Es ist vielleicht auch ein bisschen maskaradessig, in solchen tollen Fachbegriffen zu verstecken.
00:36:39: Guckt, dass das Personal versteht, was du sagen willst. Wenn du ein Team hast, was Goethe und
00:36:45: Schäler liebt, dann gerne so. Aber ansonsten kannst du auch einfach ganz normal und einfach sein.
00:36:50: Geht auch super. Genau, und im Zweifelsfall immer einen Kaffee machen. Genau. Wobei auch da muss
00:37:00: man aufpassen. Mein Chef hat mal zu mir gesagt, lass uns mal einen Kaffee reden. Rückwürden würde
00:37:06: ich sagen. Also, Deutsche hätte in dem Umgang gesagt, Martin, irgendwas läuft nicht gut,
00:37:10: wir müssen mal reden. Hab ich damals auch nicht verstanden. Also, einen Kaffee trinken kann auch
00:37:15: sein. Hey, lass mal in Ruhe fünf Minuten unter vier Augen. Ja, ja, ja, genau. Aber ich habe
00:37:21: gerade auch gestern einen Andruck-Podcast aufzeichnen gehabt mit einer Speakerin, die sehr international
00:37:27: unterwegs ist und die sagt, ist schon richtig. Ich komme immer so gern in die Schweiz, weil die
00:37:32: Leute einfach so nett sind und so freundlich. Und das finde ich ja schon auch. Wir haben jetzt ein
00:37:38: bisschen schwarz gemalt oder eben auch hingewiesen, was ist nicht so einfach. Aber prinzipiell kann
00:37:43: man ja schon sagen, es ist super. Die sind auch superfreundlich, wenn jemand neu kommt,
00:37:48: hilfsbereit. Also, und es ist eigentlich von dem her auch gut. Ja, also, wenn man seine
00:37:55: Vorstellungsgespräche hat, ob die online sind oder dann tatsächlich vor Ort,
00:38:00: lernen die Namen vom Team. Also, es ist wirklich, ihr könnt davon ausgehen, dass alle Schweizer
00:38:07: Anwesenden wissen, wer hier gerade da ist. Also, wenn ihr ein Vorstellungsgespräch habt,
00:38:12: auch als Führungsperson, jeder kennt eure Namen, jeder spricht euch mit dem Vornamen an und ihr
00:38:18: sagt nur so, mein Gott, wir sind das alles für Leute. Ja, ja. Lern die Namen vorher. Ja, also,
00:38:24: es geht wirklich so weit. Ich habe das gesehen, die schneiden sich die Gesichter aus, kleben die
00:38:30: sich auf, schreiben die Namen dazu. Bei den Vorstellungsgesprächen spätestens am ersten
00:38:36: Tag, wo ihr Führungskräfte seid, ihr müsst die Namen können. Ab dem ersten Tag, ihr müsst die
00:38:41: Leute ansprechen können, das ist Schweizer Höflichkeit. Wenn ihr das nicht könnt, schlecht.
00:38:45: Aber die Schweizer können das, ja. Also, wenn ihr kommt, jeder spricht euch an und ihr denkt,
00:38:51: so bin ich der neue CEO oder was ist hier los, wo weiß jeder, welcher hier im Haus bin. Aber das
00:38:57: ist eben diese extreme Gastfreundlichkeit und dieses Willkommen sein, was dann auch wieder
00:39:02: extreme Freude macht, wenn man damit umgehen kann. Also, ich weiß, im Krankenhaus vielleicht nicht,
00:39:07: aber in Firmen hast du ja relativ schnell eine Duo-Kultur, also so von ganz unten bis zum CEO.
00:39:13: Und ich habe mir dann immer das Organikram ausgedruckt und habe mir angestrichen mit Leuchtstift,
00:39:18: mit wem ich per Du bin und mit wem per Sie. Weil das kann ja sonst auch ganz unangenehm werden.
00:39:23: Kann auch wechseln, habe ich gehört. Also, es kann auf der, ich hatte einen Kollegen, der hat
00:39:30: erzählt, er war eine Woche mit, mit seinem Führungskräft, mit seinem Team, oder mit nicht
00:39:36: mit seinem Team, sondern mit Führungskräften von der Firma in den Bergen und da waren sie per Du.
00:39:41: Und dann ist am nächsten Montag in die Firma gekommen, es gab eine Sitzung und er hat gesagt,
00:39:45: hey du gehart und dann hat er gesagt, nee, nee, du ist vorbei, jetzt sind wir wieder beim Sie.
00:39:49: Also, das ist aber dann auch keine gute Firma, muss ich sagen. Ja, das war ja ein gutes Wort.
00:39:56: Auf jeden Fall. Und wer Fragen hat natürlich, darf sich immer an Martin wenden. Also, wenn du
00:40:02: jetzt zuhörst und bist Arzt oder Ärztin, schäue dich nicht einfach dich zu melden bei Martin.
00:40:08: Und für alle anderen Karriere fragen natürlich auch gerne bei mir. Ja, und es hat mir riesig
00:40:14: Spaß gemacht, wie immer, lieber Martin. Vielen Dank, dass du noch mal da warst.
00:40:20: Gerne, gerne, Katrin. Das war die Folge mit Katrin Moser in ihrem Podcast "Karriereweg rund um das
00:40:29: Thema Führen in der Schweiz". Ich bin sicher, du konntest viel mitnehmen und bist jetzt sensibler
00:40:36: auf diesem Thema unterwegs. Das freut mich und wenn dir ihm so ist, hinterlasse gerne eine
00:40:42: Bewertung für diesen Podcast. Empfehle ihn Kollegen und Freunden weiter und wir hören
00:40:48: uns in der nächsten Woche wieder bei deinem Podcast "DocsGoSwiss". Ich sage Tschüss und
00:40:54: auf Wiedersehen und wünsch dir viel Gesundheit. Dein Martin Werner.
00:40:57: [Musik]
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